Radio Schlagerparadies: Riesiger Schritt durch DAB+

Veröffentlicht am 10. Jan. 2017 von unter Deutschland, Musik

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Schlager polarisieren in der Bevölkerung wie kaum eine andere Musikrichtung. Dabei erreichen die kommerziellen Erfolgen der letzten Jahre von Helene Fischer, Vanessa Mai oder Andreas Gabalier nun auch wieder verstärkt die jüngeren Jahrgänge – und läuteten mit dieser Entwicklung sowohl im Fan- wie im Künstlerlager einen belebenden Generationswechsel ein. In der vor wenigen Tagen veröffentlichen Bestenliste der meist verkaufen Alben des Jahres 2016 rangiert Andrea Berg mit ihrem Werk „Seelenbeben“ gar auf Rang 2 – vor Metallica, Adele, Sarah Connor oder den Rolling Stones. Und diese Entwicklung dürfte sich 2017 mit dem angekündigten neuen Studio-Album von Helene Fischer fortsetzen. Die unumstrittene neue Ikone des Schlagers hat mit gigantischen Absatzzahlen für ihre Tonträger und ständig neuen Umsatzrekorden für ausverkaufte Live-Shows nicht nur die Konkurrenz aus dem Pop- und Rocklager überrundet, sondern auch das etwas angestaubte Image des Genres kräftig aufpoliert. Schlager sind derzeit angesagt!

NDRPlus_LogoOffenbar (auch) ein Grund, warum sich nun auch die Radiolandschaft wieder verstärkt auf das Genre besinnt. Nachdem seit Mitte der 2000er Jahre diverse ARD-Anstalten Schlagertitel schleichend aus ihren Landesprogrammen gestrichen hatten, folgte nun die Rolle rückwärts. Dabei nutzen die Öffentlich-Rechtlichen (wie Bayern Plus, NDR Plus und MDR Schlagerwelt) nun den technischen Verbreitungsweg DAB+ zur Einführung neuer, (nahezu) reiner Schlagerwellen. Die privaten Sender hatten früh erkannt, dass sich Schlagerformate nur schwer vermarkten ließen.

Radio-Paloma-LogoFolglich reduziert sich die Auswahl einschlägiger Programme auf nur sehr wenige terrestrische Angebote – wie Radio Paloma oder Radio B2. Kurz vor Jahresende 2016 kündigte das Medienunternehmen Funk & Fernsehen Nordwestdeutschland (radio ffn) mit Radio Roland den Start eines weiteren neuen privatwirtschaftlich betriebenen Programmes für den Raum Bremen an, „das sich an ZuhörerInnen richtet, die Schlager und deutschsprachige Musik mögen“.

Der offenkundige Mangel an terrestrischen Alternativen trieb in den vergangenen Jahren so manchen Schlager-Freund und ehemaligen ARD-Hörer ins Internet. Dort findet der Fan ein reichhaltiges und gut aufgestelltes Schlagersortiment mit allein 278 deutschen Kanälen – von Angeboten mit klassischen Schlager Evergreens „Marke Dieter Thomas Heck“ bis hin zu Stationen mit Popschlager oder „Ballermann Mucke“. Interessant: dabei übersteigt laut „Webradio-Monitor 2016“ sogar das vorhandene numerische Angebot das tatsächlich errechnete Nutzungs-Interesse für Schlagermusik.

SchlagerparadiesEiner der Pioniere für einschlägige Musik im Internet war Radio Schlagerparadies. Das Programm ging 2005 seinerzeit ausschließlich im Web unter dem Namen “RMN Schlagerhölle” auf Sendung. Am 9. August 2007 wurde dem Sender eine bundesweit gültige Sendelizenz ohne Zuweisung von Übertragskapazitäten von der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) erteilt. Nach einer langen Ausstrahlungszeit im Internet, via Kabel, Satellit sowie in regionalen DAB+ Netzen sendet das Tochterunternehmen der RMN Radiogruppe nun im bundesweiten DAB+ Multiplex.

 

Herbert Pjede (Bild: ©Schlagerparadies)

Herbert Pjede (Bild: ©Schlagerparadies)

RADIOSZENE sprach mit Geschäftsführer Herbert Pjede über seine Erfahrung als Betreiber eines Schlagerradios.

RADIOSZENE: Radio Schlagerparadies ist nun seit 2013 bundesweit über DAB+ auf Sendung. Welches Zwischenfazit ziehen Sie drei Jahre nach Sendestart?

Herbert Pjede: Die Entscheidung, unser Programm auf DAB+ auszustrahlen, hat sich rückblickend als die richtige Wahl erwiesen. In diesen drei Jahren hat DAB+ einen riesigen Schritt gemacht und sich als Übertragungsweg der Zukunft etabliert. Wir können die steigende Zahl der Hörer, die Radio über DAB+ hören, gut ermessen. Die Verkaufszahlen unserer DAB+-Radiogeräte mit der Schlagerparadies-Taste steigen von Jahr zu Jahr rasant an.

RADIOSZENE: Nun ist Schlager nicht gleich Schlager. Wie grenzen Sie sich zu anderen Schlagerformaten ab? 

Herbert Pjede: Wie bei vielen anderen Genres sind die Grenzen schwimmend. Das Spektrum reicht von Heino bis zu Andreas Gabalier und von Connie Francis bis Helene Fischer oder Andrea Berg. Wir versuchen, unseren Hörern eine abwechslungsreiche Mischung aus einem großen Titelkontingent zu bieten. Sowohl was die verschiedenen musikalischen Facetten angeht als auch das Jahrzehnt ihrer Entstehung. Unsere Rotation besteht aus rund 3.000 Titeln. Der gesamte Musikpool umfasst mehr als 12.000 Lieder. Und wir mischen hier wirklich kräftig durch und erliegen nicht der Versuchung, das Programm mit wenigen hundert Songs zu bestreiten. Dabei spielen wir ausschließlich deutschsprachige Titel und Instrumentals. Pop- oder gar Rockmusik läuft nicht im Schlagerparadies.

RADIOSZENE: Wie sieht der Mix Oldies vs. der jüngeren Jahrgänge aus? Spielen Sie auch aktuellen Schlager? 

Herbert Pjede: Ja natürlich spielen wir die aktuellen Schlager. Und die neuen Titel hören nicht etwas nur die jüngeren Hörer sondern auch die gesetzteren Jahrgänge. Und hier sind wir besonders aktuell und sind generell die Ersten, die Neuerscheinungen im Programm haben. Unser Musikchef Karl-Heinz Schweter hört in dieser Beziehung oft das sprichwörtliche Gras wachsen und bringt Titel ins Programm, die auf anderen Kanälen erst Wochen später laufen.

RADIOSZENE: Haben Sie Daten über das Potential von Schlager-interessierten Personen im Radio?

Herbert Pjede: Da verhält es sich ähnlich wie bei der bekannten Fastfoodkette oder dem Discounter mit den vier Buchstaben. Manche Hörer scheuen sich, ihre Vorliebe für Schlager offen zu bekennen. Denn leider gibt es immer noch viele selbsternannte Qualitätschecker, die vorgeben zu wissen, was qualitativ gute und was schlechte Musik ist. Aus den Reaktionen unserer Hörer wissen wir, dass Schlagermusik von jung bis alt geschätzt wird. Schauen Sie sich doch zum Beispiel mal auf Veranstaltungen wie der „Schlagernächte der Stars“ um. Da gibt es ein Programm von sechs bis sieben Stunden mit rund einem Dutzend Künstlern. Und der Zuschauerschnitt ist da zwischen 35 und 50. Das Klischee, dass Schlager nur von älteren Leuten gehört wird, ist längst überholt.

RADIOSZENE: Welche moderierten Programmstrecken sind bei Schlagerparadies zu hören?  

Herbert Pjede: Montag bis Freitag senden wir von 7.00  bis 14.00 Uhr und von 18.00 bis 24.00 Uhr live moderiertes Programm. Spezialsendungen gibt es an jedem Abend ab 20.00 Uhr. Unsere Hitparade („Schlagerparade“) senden wir am Samstag ab 18.00 Uhr.

RADIOSZENE: Wie viele Mitarbeiter gestalten derzeit das Programm? 

Herbert Pjede: Das gesamte Team besteht aus rund 30 Mitarbeitern.

RADIOSZENE: Gibt es bereits Zahlen über die Anzahl der Hörer bzw. zum generellen Nutzungsverhalten?

Herbert Pjede: Wir registrieren eine deutliche Verschiebung in Richtung DAB+. Vor drei Jahren empfingen uns die meisten Hörer über Internet und Satellit. Heute liegt der Schwerpunkt eindeutig bei DAB+. Aktuelle Zahlen aus der “Reichweitenanlayse agma/ MMC DAB+ Pilotstudie 2016“ belegen das.

RADIOSZENE: Nun hat die ARD zuletzt eigene reine Schlagerprogramme via DAB+ gestartet. Machen sich diese schon im Markt bemerkbar?

Herbert Pjede: Viele unsere Hörer sind enttäuschte Ex-Hörer der öffentlich-rechtlichen Sender seit dem die quasi entschieden haben, dass das Genre „Schlager“ niemand mehr hören möchte. Dass das eine grobe Fehleinschätzung war, hat man dann irgendwann erkannt und rudert jetzt zurück. Die Hörer machen dieses Wechselspiel aber nicht mit. Oft hören wir Kommentare wie „Die sehen mich nicht wieder“ und Aussagen, dass sich die Hörer bei uns wohl fühlen. Hinzu kommt, dass manche dieser Programme doch recht lieblos zusammengestellt sind und eben nicht wie im „Schlagerparadies“ auf die Hörer zugeschnitten sind.

RADIOSZENE: Mit welchen Marketing-Maßnahmen machen Sie auf den Sender in der Bevölkerung aufmerksam?

Herbert Pjede: Wir betreiben eine ganze Reihe von Kooperationen, mit denen wir unseren Bekanntheitsgrad steigern. Dazu gehört die Vermarktung von DAB+-Radiogeräten mit der „Schlagerparadiestaste“ wie auch die Präsentation der „Schlagernächte der Stars“. Sonstige, teure Kampagnen können wir uns nicht leisten. Da sind uns gegenüber die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren großen Budgets natürlich klar im Vorteil.

Dual 74254 mit Schlagerparadies-Taste (Bild: ©Amazon)

Dual 74254 mit Schlagerparadies-Taste (Bild: ©Amazon)

RADIOSZENE: Gibt es bereits Interesse seitens der Werbewirtschaft?

Herbert Pjede: Wir strahlen schon seit langem Werbespots aus, die über unseren Vermarkter „audimark“ erhalten. Da gibt es natürlich noch Luft nach oben aber wir sind zuversichtlich, auch hier zuzulegen. 

RADIOSZENE: Zuletzt haben Sie angekündigt, sich von der Satellitenverbreitung zurückzuziehen. Wo liegen die Gründe?

Herbert Pjede: Wie bereits gesagt verschiebt sich die Nutzung der verschiedenen Empfangswege von Satellit auf DAB+. Deshalb ist die weitere Nutzung des Satelliten wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die Hörer, die uns bisher über „ASTRA“ empfangen haben, können uns ja auch in Zukunft über das Internet hören. Außerdem wird das DAB+-Netz immer weiter ausgebaut. Ende dieses Jahres werden knapp 96% der Bevölkerung DAB+ mobil und 82,2% auch inhouse empfangen können.

RADIOSZENE: Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit der Technik DAB+?

Herbert Pjede: Unsere Erfahrungen sind durchgehend positiv. Äußerst selten treten noch Störungen im Übertragungsnetz auf. Und unsere Hörer sind von der Klangqualität angetan. Und besonders Leute, die viel unterwegs sind, schätzen es, einen Sender quer durch die Republik hören zu können ohne von Region zu Region einen neuen Kanal suchen zu müssen.

RADIOSZENE: Was müsste Ihrer Meinung nach getan werden, um DAB+ noch stärker voranzubringen?

Herbert Pjede: Die Fraktion der ständigen Nörgler und UKW-Verteidiger sollten sich diesem neuen Medium öffnen und nicht krampfhaft versuchen, den Fortschritt aufzuhalten. DAB+ ist die Zukunft, da gibt es unter den Fachleuten überhaupt keine Zweifel. Solange aber weiterhin gegen statt für diese zukunftsträchtige Technik mobil gemacht wird, werden Chancen leichtfertig verschenkt.

 

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