OMRI: Radio via Smartphones wird besser

Veröffentlicht am 26. Sep. 2016 von unter RadioFuture

james-cridlands-radiofuture-big-minJames Cridland schreibt ab jetzt für RADIOSZENE über die Zukunft des Radios

Smartphones enthalten viel Technologien und Entwickler haben meistens Zugriff darauf. Wenn Sie Handy-App-Entwickler sind, können Sie den GPS-Chip abfragen, wo sich beispielsweise Ihr Benutzer befindet. Google Maps kann Ihnen sagen, wo Sie sind – oder Ihre Nachrichten-App kann für Ihre lokalen Informationen sorgen.

Temperatursensoren, Höhenmesser und alle möglichen Dinge befinden sich in Ihrem Handy. Wenn Sie für ein Android-Handy entwickeln, weiß Ihre App, ob Sie zu Fuß unterwegs sind, gerade Fahrrad fahren oder sich in einem Auto befinden. Ihre App kann Ihre Musik abspielen, das Telefon vibrieren lassen und viele andere interessante Dinge anstellen. Aber wenn das Mobilfon einen UKW-Chip oder einen DAB-Chip beinhaltet, wird es schwierig! Ihre App weiß nicht, dass er existiert und kann ihn mit ziemlicher Sicherheit nicht wirklich kontrollieren. Was schade ist, denn wenn Sie in der Lage wären, den UKW- oder DAB-Chip zu steuern, könnten Sie eine tolle App für Ihren Radiosender verwirklichen, die nicht viel Bandbreite oder Akkuleistung verbraucht.

Entwickler mobiler Geräte haben Zugriff auf fast alles – außer dem UKW-Chip. Bis jetzt. Vor einigen Wochen wurde auf der IBC in Amsterdam etwas angekündigt, dass diesen Zustand endlich ändern könnte: ein Wunderwerk mit der Abkürzung OMRI.

OMRI – das Open Mobile Radio Interface – soll als Standardmethode für App-Entwickler mit einem UKW- oder DAB+- Chip im Inneren des Telefons kommunizieren. Es ist eine Standard-API, und eröffnet neue Möglichkeiten smarter Radio-Apps. Zum Beispiel könnte Ihre Radio App überprüfen, ob Ihr Radiosender auch auf UKW genug Signalstärke hat und auf sparsame Bandbreite mit weniger Batterieverbrauch umschalten. Ihre Radio-App könnte Sie auf Ihrem Lieblings-Radiosender halten, wenn Sie in die und aus der UKW- oder DAB-Abdeckung fahren – nicht nur durch Frequenzwechsel, sondern durch Nutzung des Internets, wenn es Sinn macht.

Crowdradio-App (Bild: ©James Cridland)

Crowdradio-App (Bild: ©James Cridland)

OMRI ist entstanden durch branchenübergreifende Zusammenarbeit: produziert von Unternehmen und Organisationen wie WorldDAB, dem Fraunhofer Institut (Erfinder von MP3 und AAC), dem UK Radioplayer, Konsole Labs, Commercial Radio Australia und der BBC.

Das Ganze ist interessanterweise eine ganz andere Herangehensweise als in den Vereinigten Staaten, wo NextRadio relativ erfolgreich Unternehmen davon überzeugt hat, UKW-Chips in Handys zu aktivieren, damit die NextRadio App auf ihnen funktioniert. Allerdings will OMRI nicht nur die Chips aktivieren, sondern auch Sendeanstalten ermöglichen, mit ihnen weitere Innovationen anzubieten.

Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das erfordert, dass die Hersteller diese API auf ihre eigenen Geräte implementieren. Bessere Radio-Apps könnten schneller auf dem Markt auftauchen als Sie denken – und das ist wahrscheinlich eine gute Nachricht für alle Radiomacher.

 

james-cridlandDer “Radio-Futurologe” James Cridland beschäftigt sich mit neuen Plattformen und Technologien und ihre Wirkung auf die weltweite Radiobranche. Er spricht auf Radio-Kongressen über die Zukunft des Radios, schreibt regelmäßig für Fachmagazine und berät eine Vielzahl von Radiosender immer mit dem Ziel, dass Radio auch in Zukunft noch relevant bleibt. Sein wöchentlicher Newsletter (in Englisch) beinhaltet wertvolle Links, News und Meinungen für Radiomacher und kann hier kostenlos bestellt werden: james.cridland.net.

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