Pri­vat­ra­dio­pio­nier Stef­fen Möh­ring ist tot

Veröffentlicht am 14. Mai. 2016 von unter Deutschland

Stef­fen Möh­ring (Bild: Privat)

Stef­fen Möh­ring (Bild: Privat)

 

Das ist nicht fair

Von Horst Müller

Abschied von Stef­fen Möh­ring. Der Jour­na­list und Pri­vat­ra­dio­pio­nier in Mecklenburg-Vorpommern starb uner­war­tet in der Nacht zum ver­gan­ge­nen Mon­tag im Alter von nur 46 Jah­ren in der Nähe von Schwe­rin. Unser Mit­ge­fühl gilt vor allem sei­ner Frau Petra Künt­zer und sei­nen bei­den Kin­dern, die nicht nur Ehe­mann und Vater, son­dern vor allem einen groß­ar­ti­gen Men­schen verloren.

Bevor ich diese Zei­len zu schrei­ben begann, habe ich meh­rere Tele­fon­ge­sprä­che geführt mit ehe­ma­li­gen Kol­le­gen und Mit­ar­bei­tern von Antenne MV. Ich wollte auch von ihnen wis­sen, was sie mit Stef­fen Möh­ring ver­bin­den, an ihm beson­ders schätz­ten und ob sie sich erin­nern kön­nen, wie er damals kurz nach dem Sen­de­start im Som­mer 1993 zum ers­ten Pri­vat­sen­der in Mecklenburg-Vorpommern kam. Die letzte Frage konnte mir kei­ner von den Ange­spro­che­nen voll­ends beant­wor­ten. “Irgend­wie kam Stef­fen über die Schwe­ri­ner Thea­ter­szene zu uns”, glaubt sich Peter Kranz, der dama­lige Wort­chef und spä­tere Chef­re­dak­teur, erin­nern zu können.

Steffen Möhring in den 1990er Jahren | Privat

Steffen Möhring in den 1990er Jahren | Privat

Spek­ta­ku­läre Auf­tritte waren nie sein Ding. “Stef­fen war leise, eher zurück­hal­tend — gleich­zei­tig aber auch hart­nä­ckig, zäh und vor allem die Zuver­läs­sig­keit in Per­son”, weiß Ingo Lorenz zu berich­ten, der in den Anfangs­zei­ten einer der weni­gen Radio­pro­fis bei Antenne MV war. Zuerst fiel Stef­fen Möh­ring als Nach­rich­ten­spre­cher wegen sei­ner hono­ri­gen dunk­len Stimme auf, die nach mei­ner Erin­ne­rung nie einen Ver­spre­cher her­vor­brachte. Das Umfor­mu­lie­ren von dpa-Meldungen und Anmo­de­rie­ren von Kor­re­spon­den­ten­be­rich­ten reichte ihm bald nicht mehr. Stef­fen war Mitte der 1990er Jahre längst zum inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­ten gewor­den. Gemein­sam mit Kol­le­gen deckte er ille­gale Machen­schaf­ten des Ver­fas­sungs­schut­zes in Mecklenburg-Vorpommern auf. Die so genannte “Buntgescheckten-Affäre” machte 1996 bun­des­weit Schlag­zei­len und führte schließ­lich zum Rück­tritt von Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Rudi Geil, einem Ver­trau­ten des dama­li­gen Bun­des­kanz­lers Hel­mut Kohl.

Neben Repor­ta­gen aus dem Ver­kehrs­flie­ger und der Gestal­tung der ers­ten Home­page von Antenne MV hatte Stef­fen auch noch Zeit, das Herz sei­ner Kol­le­gin Petra Künt­zer zu erobern, die sei­ner­zeit die Mit­tags­sen­dung mode­rierte. Spä­ter hei­ra­te­ten die bei­den, zogen in die Gemeinde Pin­now bei Schwe­rin und wur­den Eltern von zwei Kin­dern. Beruf­lich gab’s der­weil Rück­schläge. Weil die dama­lige Geschäfts­füh­rung von Antenne Mecklenburg-Vorpommern — wie sich der Sen­der zwi­schen­durch nannte – Anfang der 2000er Jahre mehr Wert auf Pro­fit und weni­ger auf Qua­li­tät im Pro­gramm legte, ver­lo­ren Petra und Stef­fen ihre Jobs bei dem Privatradio.

Inter­view mit Stef­fen Möh­ring am 22. April im Nord­ma­ga­zin zum Kor­rup­ti­ons­ver­dacht beim LKA Mecklenburg-Vorpommern (Bild: Screen­shot NDR Fernsehen)

Inter­view mit Stef­fen Möh­ring am 22. April im Nord­ma­ga­zin zum Kor­rup­ti­ons­ver­dacht beim LKA Mecklenburg-Vorpommern (Bild: Screen­shot NDR Fernsehen)

Trotz vor­über­ge­hen­der Arbeits­lo­sig­keit gab Stef­fen nicht auf. Er lernte mit Foto– und Video­ka­mera umzu­ge­hen und nutzte wei­ter­hin sein jour­na­lis­ti­sches Gespür. Jahre spä­ter ent­deckte ich ihn wie­der im NDR Fern­se­hen, wo er sich mit peni­bel recher­chier­ten Bei­trä­gen inzwi­schen erneut einen Namen gemacht hatte. Die The­men mit denen er sich beschäf­tigte, wur­den grö­ßer und bedeu­ten­der als jemals zuvor, gip­fel­ten schließ­lich in sei­nen Recher­chen zum Kor­rup­ti­ons­ver­dacht beim Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) Mecklenburg-Vorpommern vor weni­gen Wochen. Das, so sagte mir Petra Künt­zer am Tele­fon, war sicher­lich seine wich­tigste jour­na­lis­ti­sche Arbeit, die Stef­fen Möh­ring weit über Mecklenburg-Vorpommern hin­aus Lob und Aner­ken­nung ein­brachte. Es hät­ten noch viele wei­tere Recher­chen und Bei­träge von ihm fol­gen sollen.

Fas­sungs­los — so wie Ex-Kollegin Wiebke Wei­ten­dorf und viele andere sei­ner Weg­ge­fähr­ten bin auch ich ange­sichts der schlim­men Nach­richt über den viel zu frü­hen Tod von Stef­fen Möh­ring. “Mit dem Leben ist es wie mit einem Thea­ter­stück; es kommt nicht dar­auf an, wie lang es ist, son­dern wie bunt”, zitierte seine Frau Petra den römi­schen Phi­lo­so­phen Seneca bei Face­book. Und trotz­dem — “das ist nicht fair”, schrieb sie weiter.

Horst Müller (blogmedien.de)

 

Abschied von Stef­fen Möhring
Die Trau­er­feier ist am Frei­tag, 20. Mai, um 15 Uhr in der Kir­che in 19065 Pin­now bei Schwerin.

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