Prognosen zur Radionutzung: Hauptsache es kommt an

Veröffentlicht am 09. Mai. 2016 von unter Pressemeldungen

Medientreffpunkt-Mitteldeutschland-MTM16-smallVon verspäteten Zügen kaum gebremst hat beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland am Montag unter anderem der Austausch über die immer aktuelle Frage begonnen: „Was will der Hörer?“ Moderiert von Medienberater Norbert Seuß sprachen die Experten in Leipzig über ihre Prognosen zur Radionutzung in Deutschland, über Trends und die Zukunft des Mediums schlechthin.

Für Walter Klingler, Medienforscher beim Südwestrundfunk (SWR), sind Prognosen zum künftigen Mediennutzungsverhalten der bis 29 Jahre alten potenziellen Hörer heute schwieriger geworden. In dieser Gruppe sei die Radionutzung am stärksten gesunken, gleichwohl aber eine relevante Größe geblieben. Für Informationen würden zwar stärker andere Angebote etwa im Internet genutzt. Nach der Motivation befragt sei aber auch in dieser Altersgruppe der Spaßfaktor am Radio weiterhin hoch, und ja – auch junge Leute hören Radio aus Gewohnheit.

Insgesamt ist Klingler zufolge die Radio-Nutzung trotz aller Wandlungen und neuer Empfangswege konstant geblieben. Mehr als drei Viertel der Deutschen hörten täglich Radio auf verschiedenen Kanälen; das vielfach erwähnte Erfolgsmodel von Spotify bezeichnete Klingler denn auch – verglichen mit dem Radio insgesamt – als einen „Scheinriesen“.

Worauf Klinglers Forderung „Keep it simple!“ in Bezug auf das Radio abzielte, auf Content oder den Kanal, blieb zwar offen. Bei der Bedeutung des Kanals, also des Empfangswegs für das Radio, bestand jedoch weitgehend Einigkeit darüber, dass es darauf nicht ankommt: Hauptsache es kommt an.

Vorsitzender Medienrat 8. Amtsperiode Prof. Dr. Stephan Ory. Bild: © Jennifer Weyland)

Vorsitzender Medienrat 8. Amtsperiode Prof. Dr. Stephan Ory. Bild: © Jennifer Weyland)

So hat sich für den Medienrechtler Prof. Dr. Stephan Ory, seit 1990 Chef der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) und unter anderem Vorsitzender des Medienrats der Landesmedienanstalt im Saarland, die Debatte um die Kanäle als irrelevant erwiesen. Wie er sagen alle hier, dass alles ermöglicht werden müsse: Streaming, Apps und vieles mehr. Wobei für die Privatfunker Marco Maier, Geschäftsführer bei Antenne Thüringen, und für Patrick Morgan, Programmchef beim Jugendradio bigFM auch gilt: „Alles was finanzierbar ist“ und „was den Nutzer nicht mehr kostet“ . Morgan würde sich dabei vor allem bessere Datentarife für das Smartphone wünschen, echte Flatrates also.

Maier legte dabei einmal mehr Wert auf den Wert der Marke, gerade durch mobile und andere Empfangskanäle und Ausspielwege hindurch. Nicht nur im Auto hörten die Leute doch den Sender, von dem sie wissen könnten, was sie erwartet.

Patrick Morgan

Patrick Morgan

Große Erwartungen gibt es in Bezug auf neue Daten. So sagt Maier zwar: „Wir wissen nicht immer genau, was der Hörer will.“ Es gebe neben klassischen Mess-Instrumenten online aber jetzt neue, um dem auf die Spur zu kommen – eine „große Küche an Analyse-Werkeugen“, und Rückschlüsse aus dem Internet seien möglich. Impulse daraus müsse man nutzen, sagt Morgan, der für bigFM auch mit Spotify kooperiert. Er beschreibt den Stream fast wie ein Analysetool, das Daten zur Nutzung in Echtzeit liefere und die Macher einer „Realtime-Programmgestaltung“ näher bringe. Auch Werbetreibende schätzten die Transparenz im Internet.

Morgan mahnte dabei auch „Mut zu Fehlern“ an. Er ermunterte dazu, online etwas zu testen, Neues auszuprobieren. Erwartungsgemäß wurde dabei viel über 14 bis 29 Jahre alte Hörer geredet, wobei Maier darauf hinwies, dass sein Thüringer Sender auch die bis 49-Jährigen bespiele und so schnelle Wechsel wie bigFM nicht veranstalten könne.

Ob aber die neue Mobilität des Hörfunks wirklich neue Geschäftsmodelle eröffnet? Laut Maier spielen sich 98 Prozent der Vermarktung nach wie vor in klassischen Geschäftsfeldern ab, nur zwei Prozent in digitalen. Ein neues großes Geschäftsmodell sei nicht erkennbar. So „muss das Geld heute über viele Wege zu uns finden“. Ein gutes Programm allein reiche nicht mehr nicht aus.

Quelle: Pressemitteilung der Medientreffpunkts Mitteldeutschland.

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