Experten-Hearing zur Änderung des WDR-Gesetzes: Favorit „NDR-Modell“

Veröffentlicht am 30. Nov. 2015 von unter Deutschland

WDR_Funkhaus_Wallrafplatz_2010-smallOliver Keymis will sich noch nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Er wolle „der noch ausstehenden weiteren Debatte in seiner Partei wie auch mit dem Koalitionspartner SPD nicht vorgreifen , sagte der Mediensprecher der Düsseldorfer Landes-Grünen der RADIOSZENE. Man wolle die Ergebnisse der Experten Anhörung genau studieren, bevor Rückschlüsse für die Neufassung des WDR-Gesetzes gezogen werden könnten.

Oliver Keymis (Bild: keymis.de)

Oliver Keymis (Bild: keymis.de)

Beim Komplex Radio deutete Keymis allerdings ein gewisses Einschwenken auf die Linie der Branchen-Experten an, die bei dem Landtags-Hearing auftraten. Während der Referenten-Entwurf der Landesregierung zum heiklen Thema Radiowerbe-Reduktion beim WDR keine Aussagen macht, neigt Keymis generell dazu, dass der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk schrittweise werbefrei wird. Allerdings müsse das so gestaltet werden, dass es nicht zu Lasten des Angebotes des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehe. Die Forderung der Privatfunk-Branche, dass der WDR seine Beteiligung am Rahmenprogrammanbieter radio NRW aufgibt, machte sich der grüne Medienexperte zu eigen: „Das halte ich für vertretbar. Ich hörte aber sehr genau, wie der Vertreter des VLR genau diesen Schritt durchaus als nicht den Wichtigsten bezeichnete.“

Der Verband Lokaler Rundfunk (VLR) in NRW trommelt in der Tat in diesen Wochen massiv vor allem für eine Werbebegrenzung im WDR-Radio. Die Vertretung der Veranstaltergemeinschaften im NRW-Lokalfunk warnte, die Werbung im WDR gefährde den Lokalfunk in höchstem Masse.

Als Heilmittel scheint sich dazu das sog. NDR-Modell als Favorit herauszuschälen. Denn unisono votierten auch radio NRW, die Betriebsgesellschaften der NRW-Lokalsender, der Privatfunk-Bundesverband VPRT wie auch der Verein der Chefredakteure im NRW-Lokalfunk VdC und der Chef der Medienanstalt LfM, Jürgen Brautmeier, und der Medienrechtler der Uni Münster, Prof. Dr. Holznagel für dieses Konzept, das eine Beschränkung der Radiowerbung um ein Drittel pro Tag vorsieht.

Der Landeschef des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Stach, plädierte präzise für eine maßvolle Reduzierung der Werbezeit auf 60 Minuten auf nur einer Hörfunk-Welle. Dieses Modell dürfe allerdings nur greifen, wenn die Einnahmeverluste vollständig und auf Dauer kompensiert würden, so der DJV.

Und diese Einnahmeverluste des grössten öffentlich-rechtlichen Senders in Deutschland werden wohl noch zum eigentlichen Politikum werden. 10 Millionen Euro Mindereinnahmen will die katholische „Medienkorrespondenz“ errechnet haben, wenn eine Beschränkung nach dem NDR-Modell eingeführt wird. Und das in einer Zeit, in der die Öffentlich-Rechtlichen gerade erheblichen Zubrot-Bedarf bei den Gebühren beim Gremium KEF anmelden.

 

Teaserbild: WDR/Herby Sachs

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