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Lokalfunk-Porträt: DONAU 3 FM in Ulm

Veröffentlicht am 01. Mrz. 2010 von unter Deutschland

In der Lokalfunkserie porträtiert Hendrik Leuker dieses Mal Donau 3 FM

Donau 3 FMUlm hat nicht nur höchsten Kirchturm der Welt, das Ulmer Münster (14.-19. Jhd.) , dessen Hauptturm 161,5 m in den Himmel ragt, sondern auch eine Gemengelage im Radioäther. Neben dem sog. Bereichssender Radio 7, der für Ostwürttemberg und die Bodenseeregion lizenziert ist, aber seine Frequenzen für lokale Berichterstattung bisweilen auseinander schaltet, und in Ulm zudem seine Zentrale und sein Studio für die Region unterhält, gibt es seit dem 01. Januar 2003 einen echten Lokalsender: Donau 3 FM, der nur für Ulm und Umgebung sendet, aber zugleich die Aufgabe eines Lokalsenders im benachbarten bayerischen Günzburg übernahm.

David Rohde

David Rohde

„Bei unserem Vorgänger, Donau 1, war die Verwandtschaft zum Bereichssender auf Gesellschafterseite sehr offensichtlich. Er bekam daher 2002 keine Lizenzverlängerung mehr.“ erklärt der Programmleiter von Donau 3 FM David Rohde (29). Über gelegentliche Berichte für die „ Fränkische Landeszeitung“ in Ansbach und ein Praktikum beim dortigen Lokalsender Radio 8 schon zur Schulzeit, lernte der gebürtige Husumer nach dem Abitur die Zeiten kennen, als das Privatradio gerade dabei war, professionell zu werden. Sein Weg führte über Moderation und Produktion bei Radio 8, dem Ansbacher Ableger von Radio Galaxy, den er mit aufbaute, und Hitradio N 1 in Nürnberg zu Donau 3 FM, wo er im Sommer 2007 zum Programmleiter avancierte.

Zwei Bundesländer – ein Sender

Zwei Landesmedienanstalten, die bayerische und die baden-württembergische, kontrollieren zugleich den Sender. Im März 2003, wenige Monate also nach dem Sendestart, war Donau 3 FM nicht nur für Ulm, Biberach , Riedlingen und Umgebung zuständig, sondern wurde zudem der Lokalsender des benachbarten bayerischen Günzburg- offiziell lizenziert für zwei Bundesländer. Rohde erklärt, wie es zu der Erweiterung des Sendegebiets über die Donau hinaus kam: „Zwei Monate nachdem wir auf Sendung gingen, schloss in Günzburg der Lokalsender Hitradio X. Zunächst wurden wir von Donau 3 FM nur übergangsweise aufgeschaltet. Kurz darauf wurden wir auch offiziell für den Bereich lizenziert. Somit ist eine weitere, nämlich die bayerische, Landesmedienanstalt für uns zuständig, was aber nur das Fensterprogramm in Günzburg auf 90,3 MHz betrifft.“ Ein Drittel der Hörer lebt in Bayern; zwei Drittel in Baden-Württemberg. „Für uns als Sender heißt das, es sind unterschiedliche Mentalitäten und Hörgewohnheiten zufrieden zu stellen. In Ulm ist das Publikum eher städtisch, in Oberschwaben und Biberach eher konservativ , in Günzburg fühlt man sich ganz und gar als Bayern.“ gibt Rohde zu bedenken. Donau 3 FM wird von der M.O.R.E. Lokalfunk Baden-Württemberg GmbH und Co. KG betrieben, die je zur Hälfte zur Studio Gong München GmbH & Co. Studiobetriebs KG und zur Burda Broadcast Media GmbH &Co. KG gehört.

Lokale Emotion vermitteln

Ob Interviews anlässlich des verkaufsoffenen Sonntags in Ulm und Senden, Reportagen vom traditionellen Biberacher Schützenfest oder aus dem Legoland in Günzburg , immer geht es den Machern von Donau 3 FM darum, lokale Emotion zu vermitteln. „Es geht uns um lokale Emotion, lokale Unterhaltung und um lokale Nähe.“ merkt Rohde an. „Das Programm soll einen Informationswert haben, der einen Nutzen für den Hörer mit sich bringt.“ Dafür sorgen als Grundgerüst die lokalen Nachrichten, die zur halben Stunde ausführlich- bis zu drei Minuten- und zur vollen Stunde als Schlagzeilen gesendet werden (6-20 Uhr). Die Weltnachrichten kommen reziprok dazu ausführlich zur vollen Stunde und zur Hauptsendezeit im Radio (6.30-9.30 Uhr) auch zur halben Stunde in Schlagzeilenform. „Der lokale Faden zieht sich bei uns durch das ganze Programm. Ob bei der Comedy in der „Morningshow mit Ortlieb und Felix“, unserer meistgehörten Sendung von 5-10 Uhr am Werktag, oder dem lokalen Wetter, den Blitzern in der Region, den günstigsten Tankstellen, die wir als besonderen Service den Autofahrern durchgeben, oder bei den Top-Themen in „Sven am Feierabend“ – wir haben das lokale Ass im Ärmel“ unterstreicht Rohde die Kernaufgabe von Donau 3 FM.

Sven Stevens im Studio von Donau3FM

Sven Stevens im Studio von Donau3FM

Aktuelle Bezüge wie die Bundestagswahl kommen nicht nur im Informationsteil vor: „Wir haben die Wahlen dazu genutzt, unsere Musik zu positionieren. Unsere Hörerinnen und Hörer durften ihren Wahlhit der Stunde präsentieren.“ erklärt Rohde. Sofern dieser zum AC (Adult Contemporary)- Format des Senders passt: „Unser Motto sagt es schon. Wir spielen die besten Rock- und Pop- Hits aller Zeiten. Jede Stunde ist auch ein Ü 30- Klassiker dabei.“ stellt Rohde das musikalische Format von Donau 3 FM vor. So kommen auf diese Weise Uriah Heep, Billy Joel, Nazareth und Deep Purple öfters zu Ehren als bei anderen Stationen.

Plakat von Donau3FM

Plakat von Donau3FM

„Der Schwerpunkt liegt aber bei den populären Hits der 80er und 90er Jahren. Dass auch die tagesaktuellen Hits dabei sind erwartet der Hörer einfach von uns. Die Umstellung von unserem alten, etwas austauschbaren Motto „Nix wie Hits“ zu „Die besten Rock- und Pop-Hits aller Zeiten“ erfolgte um die Jahreswende 2006 / 2007.“ so Rohde. Die erklärte Zielgruppe von Donau 3 FM , die 30-50jährigen, sollten damit besser angesprochen werden. Seine Hörer kennt Donau 3 FM nicht nur aus der Statistik. „In der letzten Mediaanalyse konnten wir 14000 Hörer in der Durchschnittstunde aufweisen. Dennoch benachteiligt unseres Erachtens die Erhebungsmethode die Lokalsender. Es finden im Sendegebiet einfach zu wenig Befragungen statt“ übt Rohde Kritik an der Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Zahlen. „Wir veranstalten mit Donau 3 FM sehr oft Ü 30- Partys oder Partys in Diskotheken , die wir „Disco Inferno“ nennen oder wir gehen zusammen mit den Hörer in eine Sonderaufführung des Michael- Jackson- Films „This is it“. Die Tatsache, dass unser Geschäftsführer ein Konzertbüro innehat bringt uns auch den großen Events näher, wie diesen Sommer den „Toten Hosen“ in Neu-Ulm.“ ist Rohde zufrieden damit, dass oft Gelegenheit besteht, die Hörer und ihre Befindlichkeiten kennen zu lernen. Auf mögliche Programminnovationen bei meinem Stationsbesuch im Oktober 2009 angesprochen entgegnet Rohde: „Darüber spreche ich aus Konkurrenzgründen nicht vorher öffentlich.“ Aber er verrät, dass Kontinuität und Verlässlichkeit beim Programm für ihn im Vordergrund stehen.

Noch ein Lokalsender?

Baden-Württembergs Medienpolitik unterscheidet Bereichs- und Lokalsender. Neben dem Lokalsender Donau 3 FM ist in Ulm der Bereichssender Radio 7 ansässig, der für Ostwürttemberg und den Bodensee zuständig ist. „Radio 7 und wir sind Konkurrenten. Dem Hörer ist es egal, ob ein oder zwei Lokalsender senden und wer dahinter steht. Es kommt hinzu, dass Radio 7 Sendestrecken auseinander schaltet, und dann neben uns das Studio Ulm von Radio 7 aus der Region zu hören ist. Radio 7 ist der größte Konkurrent, nicht SWR 3 oder SWR1 oder die Sender , die aus Bayern oder aus der Schweiz einstrahlen. Auch SWR 4 , das zeitweise aus Ulm kommt, sendet im wesentlichen nicht für die gleichen Hörer. Man darf dabei eines nicht vergessen: Radio 7 hatte dreimal soviel Zeit, Hörer an sich zu binden als wir.“ schildert Rohde die Situation im Äther.

Radio 7 und Donau3FM-Werbung auf der gleichen Litfaßsäule:

Update: Programmreform

Am 18.01.2010 ging das neue Programm von Donau3 FM nach dem Relaunch auf Sendung. Schwerpunkt bei der Musikauswahl sind nunmehr die 80er Jahre; daneben findet das Beste der 70er, der 90er und nach 2000 Beachtung. Folgerichtig lautet der neue Claim „Mehr Vielfalt: die größten Hits aus vier Jahrzehnten.“ Service wird in der Morningshow ganz groß geschrieben: Nunmehr alle 15 Minuten hält Felix das Hörerpublikum mit Wetter, Verkehr, Blitzern und den günstigsten Tankstellen auf dem Laufenden. In der Morningshow erhält vor allem Comedy eine herausragende Stellung. Auch tagsüber sendet Donau3FM alle 30 Minuten das Aktuellste sowohl auf nationaler und internationaler Ebene wie auch aus der Region. Im November 2009 bekam Donau3FM das „TÜV-Siegel“ für die zufriedensten Hörer von TÜV Süd München verliehen als erster Sender Deutschlands. Kürzlich wurde die Lizenz von Donau3FM bis zum Jahre 2015 verlängert.

Mein persönliches Fazit

Auch fernab der Ballungszentren müssen sich die Radiomacher etwas einfallen lassen, um im Wettbewerb um Hörer, Marktanteile und Tagesreichweiten zu bestehen. Das Leben in der Provinz ist alles andere als beschaulich. Die Unterscheidung von Bereichs- und Lokalsendern, wie sie in Baden-Württemberg vorgenommen wurde, ist für Otto Normalhörer etwas unübersichtlich und erschwert den richtigen Lokalsendern das Leben.

Hendrik Leuker

Donau3FM Funkhaus von außen

Donau3FM Funkhaus von außen

Adresse und Frequenzen

Donau 3 FM
M.O.R.E. Lokalfunk
Baden-Württemberg GmbH & Co. KG
Basteistr.37
89073 Ulm
Tel: 0731 80013-0
Fax: 0731 80013-19
eMail: redaktion@donau3fm.de

Ulm 105,9 MHz 5 KW
Biberach 104,6 MHz 0,3 KW
Riedlingen 106,2 MHz 0,5 KW
Günzburg (Bayern) 90,3 MHz 0,1 KW

Empfangsberichte werden gegen Rückporto bestätigt.

Der Artikel erschien im Februar 2010 im RADIO KURIER und wurde vom Verfasser für RADIOSZENE auf den neuesten Stand gebracht (Update).

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