Infografik: Die mobile Zukunft von Radio

Veröffentlicht am 26. Jun. 2015 von unter Standpunkte

Der Webradiomonitor von Goldmedia bietet jährlich einen Einblick in den Onlineradio-Markt. Ein Ergebnis der Studie von 2014: Mit 53 Prozent besaßen knapp die Hälfte der untersuchten Sender eine eigene App. Aber wie relevant ist eine eigene Radio-App wirklich? Und welche Chancen bietet die mobile Welt prinzipiell für Radiosender? Die folgende Infografik gibt Antworten darauf.

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Radio und Smartphones: Klassiker vs. Shootingstar

Laut der Ergebnisse der ma Radio kann die Radiobranche zunächst aufatmen: die tägliche Radionutzungen zwischen 2010 und 2015 ist weitestgehend konstant geblieben und die Reichweite nur minimal um 0,3 Prozent gesunken. Radio ist also weiterhin ein wichtiges Begleitmedium im Alltag. Dem gegenüber stieg in derselben Zeit die tägliche Nutzung des mobilen Internets auf dem Smartphone rasant um 86 Prozent an.

Auch die Social Trends Studie 2014 von Tomorrow Focus Media (TFM) bestätigt diese Entwicklungen. Hier sollten die Befragten die Relevanz von verschiedenen Medien für die nächsten Jahre einschätzen. Von allen klassischen Medien wird Radio am stärksten gleichbleibend wichtig eingestuft. Der gleiche Anteil schätzt, dass Smartphones in ihrer Bedeutung noch zunehmen werden. Aktuell stehen die Zeichen für Radio also noch gut. Aber sollten sich Stationen Sorgen machen, dass das multimediale Allround-Gerät Smartphone sie in der Zukunft ersetzen könnte?

 

Mobile Devices als neue Radiopartner

Nicht unbedingt! Die Mobile Effects Studie 2015 von TFM hat ergeben, dass die meisten der regelmäßig genutzten Dienste auf Smartphones zu den Kernkompetenzen von Radio gehören. Diese Tatsache sollten Sender also für sich nutzen und ihre Dienste und Inhalte auch für die mobile Mediennutzung aufbereiten. Eine multimediale Aufbereitung des Radioprogramms zur On-Demand-Nutzung, ebenso Serviceangebote wie Wetter und Verkehr oder Community-Plattformen sind Beispiele, wie Synergieeffekte bei der Verbindung von Radio und Smartphones genutzt werden können. Das heißt wiederum, dass es mit einer einfachen Streaming-App nicht getan ist.

Trotzdem sollte auch der Live-Stream eine wichtige Rolle in einer Radio-App spielen. Denn auch für den Empfangsweg des linearen Radioprogramms zeichnet sich ein deutlicher Wandel ab. Laut des Digitalisierungsberichtes 2014 verwendeten im vergangenen Jahr bereits 3,7 Millionen Deutsche das Internet und nicht UKW als primären Übertragungsweg für Radio. Ungeschlagener Empfangsweg ist nach wie vor UKW, allerdings nimmt der Online-Empfang vor allem in der Altersgruppe 14 – 39 Jahre kontinuierlich zu und schlägt dabei Digitalradio um Weiten. Das zunehmende Einschalten von Radiostreams im Netz bedeutet perspektivisch außerdem eine verstärkte Radionutzung über Smartphones. Im Vergleich zum Vorjahr gaben 2015 in der Mobile Effects Studie von TFM 70 Prozent mehr an, dass sie das mobile Internet häufiger nutzten als den stationären Zugang. Das heißt also, dass sich Internetdienste auch immer stärker auf dem Smartphone oder Tablet abspielen werden.

 

App oder mobile Website?

Ein mobiler Distributionsweg wird also auch für Radiosender immer wichtiger. Doch muss es dabei auch unbedingt eine eigene Radio-App sein oder ist eine mobile Website dafür völlig ausreichend? Der Cross-Platform Report 2014 von Nielsen gibt dazu einen interessanten Einblick. Die Befragten verbrachten demnach 89 Prozent ihrer Zeit im mobilen Internet in Apps und lediglich 11 Prozent auf mobilen Websites. Auch wenn sich die Zahlen auf US-Nutzer beziehen, gibt das Ergebnis doch einen beeindruckenden Einblick in die Relevanz von Apps.

Dass sich diese Tendenz durchaus auch auf den deutschen Markt und die Radionutzung übertragen lässt, zeigt die Prognose des Webradiomonitors 2014 von Goldmedia. Bis 2016 wird der Empfang von Onlineradio-Streams über Apps voraussichtlich weiter um 29 Prozent steigen und mit 35 Prozent den größten Distributionsweg des mobilen Empfangs ausmachen.

Angesichts dieser Fakten und Prognosen ist die Tatsache, dass etwa knapp die Hälfte der Onlineradios über eine eigene App verfügt, durchaus ein guter Anfang. Fakt ist jedoch, dass die mobile Mediennutzung auch in den nächsten Jahren steigen wird und damit die Ansprüche an mobile Dienste weiter zunehmen. Radiosender sollten sich dieser Entwicklung bewusst sein und ihre Distributionskanäle dementsprechend gestalten.

 

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Über den Autor:
Hannes Mehring ist Gründer und CEO von CrowdRadio, einer multimedialen App-Software für Radiosender. 2012 gewann CrowdRadio den Deutschen Radiopreis in der Kategorie „Beste Innovation“.

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