Tonio verknüpft das Radioprogramm mit dem Internet

Veröffentlicht am 17. Nov. 2014 von unter App-Tipps

Tonio - Ton mit InformationRadio ist die analoge Insel in der digitalen Welt. UKW ist nach wie vor der mit deutlichem Abstand bedeutendste Verbreitungsweg, daher können trotz Webradios und Apps die allermeisten Empfangsgeräte ausschließlich Radio empfangen und haben keinen Zugang zum Internet.

Trotzdem finden Internetthemen im Radio natürlich statt und weil es unpraktisch ist, ellenlange Webadressen im Radio durchzugeben, wird meist auf die Homepage oder die Facebook-Seite verwiesen. Dort findet der Hörer dann im Idealfall die gewünschte Information, sofern er sein Smartphone oder Tablet in die Hand nimmt bzw. am Computer den Browser öffnet, also aktiv das Gerät wechselt.

Florian NovakDiese Lücke zwischen Radioprogramm und Internetinformationen will das Wiener StartUp Tonio schließen. Tonio steht für Ton mit Information und liefert eine App, die übers Radioprogramm Informationen aufs Smartphone oder Tablet schickt. Dahinter steht Florian Novak, Gründer und Geschäftsführer von Lounge FM, der die Idee im Interview mit RADIOSZENE genauer erklärt.

Komplettes Interview mit Florian Novak zum Nachhören (6:40 Min)

 

Mehrwert für den Hörer

“Tonio bringt das Internet wieder ins Radio”, sagt Florian Novak stolz und ergänzt: “Ich glaube, dass Radio hier einen enorm großen Mehrwert liefern kann, wenn man zusätzlich zum Radioprogramm Informationen auf eines des wichtigsten Devices seiner Hörerinnen und Hörer schicken kann, nämlich aufs Smartphone.” Auch Smartwatches wie die Apple Watch, bei denen die manuelle Eingabe kaum oder nur sehr umständlich möglich ist, hat Tonio im Visier.

Fürs menschliche Ohr nicht hörbar

Tonio-App auf dem iPhone
Tonio funktioniert im Prinzip ähnlich wie Musikerkennung-Apps wie Shazam oder SoundHound, nur mit dem Unterschied, dass kein Songtitel ausgegeben wird, sondern ein Link. Möglich wird die Verknüpfung zwischen Radio und Internet durch einen akustischen Code, der zusammen mit dem Radioprogramm ausgestrahlt wird, fürs menschliche Ohr aber nicht hörbar ist. Zu den technischen Details will Florian Novak sich nicht äußern und versichert nur: “Hunde kommen nicht zu Schaden”.

Der für Menschen nicht hörbare Ton wird vom Smartphone oder Tablet jedoch wahrgenommen. Wer die kostenlose Tonio-App (bislang nur für iOS verfügbar) installiert hat und dieser den Zugriff aufs eingebaute Mikrofon erlaubt, bekommt die Informationen auf sein Gerät geschickt. Wie das in der Anwendung funktioniert, zeigt dieses Demo-Video.

Die Radiosender haben freie Hand, was sie übertragen

Welche Information der Radiosender überträgt, liegt vollkommen in seiner Hand. Auch, ob der akustische Link nur für einen kurzen Moment übertragen wird oder über einen längeren Zeitraum, um dem Hörer genug Zeit zu geben, die App zu öffnen oder ggf. noch herunterzuladen.

Akustische Links in den Online-Shop

Die Einsatzbeispiele sind vielfältig: Die Sender könnten z.B. bei einem Nachbericht über ein Off-Air-Event einen Link zur Bildergalerie aufs Smartphone des Hörers schicken. Auch für Gewinnspielhinweise könnten sie Tonio nutzen und damit die Hörerbindung stärken: “Der Hörer muss dem Radioprogramm treu bleiben, er kann es nicht umgehen. Wenn er das Radio abdreht, gibt es keine Hinweise mehr”, sagt Florian Novak. In einem Kinotipp könnte man auf den Trailer “verlinken”, bei einem Buchtipp oder einer Album-Neuvorstellung könnten die Hörer per Tonio-Code direkt in den Onlineshop weitergeleitet werden, wie das folgende Audio-Beispiel zeigt.

Um den Effekt nachzuvollziehen, müssen Sie die Tonio-App auf Ihrem iPhone oder iPad installieren, den Zugriff aufs Mikrofon erlauben und das Gerät in die Nähe des Lautsprechers halten.

Features bebildern und Opern untertiteln

Daneben kann sich Florian Novak vorstellen, etwa ein Feature synchron zur Radioausstrahlung mit Bildern zu visualisieren oder – ein eher exotisches Beispiel – eine Opernübertragung zu untertiteln. Theoretisch funktioniert Tonio auch mit aufgezeichneten Beiträgen, so könnte der akustische Code auch in einen Podcast integriert werden, in erster Linie zielt Tonio jedoch auf die Verbindung von Live-Radio mit dem Internet.

Gespräche mit ersten Sendern

Mit einigen Sendern ist Florian Novak bereits im Gespräch, die an der Tonio-Technologie interessiert sind, konkrete Namen will er noch keine nennen: “Technologisch sind wir soweit, Gespräche sind sehr gut am Laufen. Es wird jetzt spannend, wer die Weltpremiere abfeiern wird und zu den innovativen Radiosendern gehören wird.” Für ihn steht jedoch fest, dass für Hörer und Sender eine konzertierte Aktion sinnvoll ist, “weil dann lernt das Thema fliegen.”

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