ORF-Radiodirektor: „DAB+ hat eine gute Chance“

Veröffentlicht am 01. Apr. 2014 von unter Österreich

Österreich DAB+Auch wenn der schon lange angekündigte Digitalradio-Testbetrieb in Wien offenbar erneut verschoben wurde, scheint es sich in der Radioszene Österreichs in Sachen DAB+ zu bewegen. Nachdem der ORF eine sonst generell ablehnende Meinung zum digital-terrestrischen Hörfunk vertrat, klingt es aus dem Wiener Funkhaus nun deutlich anders.

Radio der Zukunft ist hybrid

DAB+ sei eine zusätzliche Verbreitungsmöglichkeit, „die eine gute Chance“ hat, so Radiodirektor Mag. Karl Amon gegenüber RADIOSZENE. „Die digital-terrestrische Verbreitung wird kommen, schon deshalb, weil sie billiger ist als die analoge Form. Die Frage ist nur, wie schnell?“, so Amon.

Karl Amon (Bild: ORF)

Karl Amon (Bild: ORF)

Geblieben sei jedoch die Frage, ob DAB+ vom Publikum auch angenommen werde. Das Digitalradio-Projekt in Deutschland liefere noch keine eindeutige Antwort auf diese Frage. Der Hörfunkdirektor des ORF sieht als „Radio der Zukunft“ eine Lösung, wie sie in ähnlicher Variante auch vom Deutschlandradio und einigen EBU-Mitgliedern gefordert wird: „Wenn sich die digital-terrestrische Verbreitung europaweit durchsetzt, dann wird das meiner Meinung nach eine Kombination von DAB+ mit dem Internet sein.“ Die EBU unterstützt einen hybriden Ansatz unter der Bezeichnung „Smart Radio“, sodass Radiogeräte automatisch das beste Radiosignal auswählen, egal ob es via Livestreaming, UKW oder DAB+ ausgestrahlt wird. Ausgestattet werden sollen die Empfänger mit dem sogenannten Eurochip.

Neue Programme für DAB+

Mit der digitalen Verbreitung stehen den Zuhörern mehr Programme zur Verfügung. „Daher braucht auch der ORF zusätzliche digitale Radiokanäle“, so Mag. Karl Amon. Ausstrahlen wolle man neben den neun Regionalradios und Ö1, Ö3 sowie FM4 „zumindest fünf zusätzliche digitale Sender“. Amon denkt dabei etwa an ein Jugendradio oder „Radiokanäle, die ausschließlich den österreichischen Kreativen und deren Musikproduktionen zur Verfügung stehen“. Auch Sender für Minderheiten und Zuwanderer seien denkbar. Einzelne Formate dieser Art finden sich bereits jetzt im Livestream „Ö1 Campus“ (ehemals Radio 1476).

Albert Malli, Senderchef von Ö3, zeigte sich Ende des vergangenen Jahres äußerst kritisch und bezeichnete DAB+ als „alles andere als eine Erfolgsgeschichte“ (RADIOSZENE berichtete). Ähnlich skeptische Worte gab kürzlich KRONEHIT-Geschäftsführer Ernst Swoboda im Interview mit dem Onlineportal Horizont.at. Radio werde sich künftig eher online abspielen und nicht „auf irgendeiner digitalen Insel“ wie DAB+. Einen hybriden Ansatz spricht er nicht an. Dass der ORF nun auch pro DAB+ argumentiert, öffne dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Tür zu einer „massiven Erweiterung seines Angebots“.

Erst abwarten, dann testen

Der österreichische Digitalradio-Verein sprach gegenüber RADIOSZENE Ende 2013 noch davon, die Liste an interessierten Privatsendern an einem Testbetrieb in Wien sei „gut gefüllt“. Ob der ORF auch an diesem Test teilnimmt, wollte Karl Amon noch nicht bestätigen: „Zuerst müssen wir aufgrund der ausländischen Beispiele wissen, ob das Publikum die digital-terrestrisch Verbreitung auch annimmt. Wir sagen also nicht nein, sondern beobachten die Entwicklung sehr aufmerksam.“

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