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„Smartphones sind der Freund des Radios“ – Wie Radiosender im mobilen Web mitmischen

Veröffentlicht am 06. Nov. 2013 von unter Deutschland, Mediathek

Radio-App © frank peters - Fotolia.com„Es scheint sich herauszukristallisieren, dass Smartphones der Freund des Radios sind.“ Für Christian Richter, Geschäftsführer des deutschen Ablegers der international agierenden Digitalagentur Spoiled Milk steht fest: „Wenn man digital hört, dann hört man über sein Mobiltelefon“, sagt er im Interview mit RADIOSZENE am Rande der Medientage München. Dort hat Richter vorgestellt, was Radiosender brauchen, um im mobilen Web mitzumischen.

Mobile Webseite oder eine App?

deinPULS-App (Foto: BR)

deinPULS-App (Foto: BR)

Mindestausstattung sollte eine für Mobilgeräte optimierte Webseite mit integriertem Stream-Player sein. Der Stream sollte in zwei Qualitätsstufen angeboten werden, um den unterschiedlichen Nutzungsszenarien Rechnung zu tragen: Im Festnetz-Wlan mit voller Bandbreite bzw. mobil mit begrenztem Datenvolumen.

Im zweiten Schritt könnten sich die Sender Gedanken über eine native App für iOS oder Android machen – abhängig von der Zielgruppe und Ausrichtung des Programms: „Android ist etwas jünger als iOS“, weiß Richter über die Nutzer zu berichten.

Christian Richter, Geschäftsführer Spoiled Milk Deutschland (Foto: Björn Czieslik)

Christian Richter, Geschäftsführer Spoiled Milk Deutschland (Foto: Björn Czieslik)

Mobile Websites seien in der Entwicklung zwar komplexer, dafür aber plattformunabhängig und flexibler – Änderungen sind sofort auf allen Geräten verfügbar. Native Apps für die einzelnen mobilen Betriebssysteme wie iOS oder Android laufen dagegen stabiler und haben den Vorteil, über die App-Stores eine weite Verbreitung zu finden.

Basis-Paket für 10 bis 15.000 Euro

Der Aufwand für die Pflege der mobilen Inhalte kann nach Einschätzung von Christian Richter gering gehalten werden. Voraussetzung: „Man sollte sich Gedanken machen, welche Inhalte man hat und sie so zur Verfügung stellen und aufbereiten, dass man einfach die verschiedenen Plattformen bespielen kann.“

Rund 10 bis 15.000 Euro kalkuliert er für die Grundausstattung, mit einer Investition von rund 40.000 Euro für Apps und mobile Website rechnet Richter, „um für die mobile Welt gut aufgestellt zu sein“.

Basis-Anforderungen für Radiosender im Mobile Web (Screenshot aus Präsentation von Spoiled Milk)

Basis-Anforderungen für Radiosender im Mobile Web
(Screenshot aus Präsentation von Spoiled Milk)

Smartphones sind das mobile Radio der Zukunft

Aber braucht man als Radiosender überhaupt eine App? Spoiled-Milk-Mann Christian Richter wäre ein schlechter Verkäufer, wenn er anderes behaupten würde, und dennoch ist er überzeugt, wenn er sagt: „Ich glaube, es ist unbedingt notwendig, eine App zu haben, weil das Smartphone das mobile Radiogerät der Zukunft ist. Das ist der Kanal, wie ich meine Hörer erreichen kann.“

Aus der App direkt ins PULS-Studio

Aufnahmefunktion in der deinPULS-App (Bild: Screenshot aus iTunes)

Aufnahmefunktion in der deinPULS-App (Bild: Screenshot aus iTunes)

Auch PULS, das junge Radioprogramm des Bayerischen Rundfunks erreicht einen guten Teil seiner Hörer über die deinPULS-App, die im Radioprogramm häufiger erwähnt wird, als die Verbreitung übers Digitalradio DAB+.

Neben dem Radiostream, Programminformationen und Playlist enthält die App auch die Möglichkeit, eigene Inhalte aufzunehmen und direkt ins Studio zu schicken.

Programmchef Thomas Müller freut sich im Interview mit RADIOSZENE nicht nur über „ganz ordentliche Downloadzahlen“, sondern auch, „dass die Leute über die App tatsächlich ein Feedback geben – und das war nicht selbstverständlich“. Immerhin gehöre „auch ein bisschen Vertrauen dazu, wenn ich was einspreche, ein Video aufnehme oder ein Foto mache, dass da kein Unsinn mit geschieht“.

Hörer haben was zu sagen

Besonders groß ist das Feedback bei Verlosungen, verrät Thomas Müller: Als PULS kurz nach Sendestart im Mai über die App Karten für ein Studiokonzert der Sportfreunde Stiller verlost hat, „ging’s dann locker auch mal ins Dreistellige, was auf dem Aufruf an Feedback kam“.

PULS-Programmchef Thomas Müller im Interview mit RADIOSZENE (Foto: Björn Czieslik)

PULS-Programmchef Thomas Müller im Interview mit RADIOSZENE
(Foto: Björn Czieslik)

Bei thematischen Aufrufen, kämen „so zwischen 10 und 20 konkrete Einsendungen, was wir aber schon super finden“, sagt Müller mit Blick auf die Reichweite. Zudem gehe es nicht um banale Fragen wie „Was hast Du heute morgen gefrühstückt?“. Als Erfolg wertet er, „dass die Leute was zu sagen haben, eine Meinung haben und sich auch ernst genommen fühlen“.

Die über die App eingesandten Audios und Bilder landen direkt im Redaktionssystem und können sowohl in die Sendung eingebunden, als auch auf die Website gestellt werden. Zusammen mit Reaktionen in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter hilft dies den Programmmachern von PULS, „den Überblick zu haben was die Leute wollen, was sie nicht wollen und was sie davon denken, was wir so treiben“.

Belohnung für engagierte Hörer

Daher denken die PULS-Macher derzeit auch über weitere Anreize für die Hörer nach, ihnen noch mehr Feedback zu geben. Von „Gamification“ spricht Programmchef Thomas Müller und meint „kleine Auszeichnungen oder ein Goodie, wenn man sich als besonders engagierter Hörer zeigt“, ohne dabei „in einen Gewinnspielwahn zu verfallen“. Es müsse „eher so ein kleiner Ritterschlag sein.“

Zum Anhören

Interview mit Christian Richter, Geschäftsführer Spoiled Milk Deutschland, über Radiosender im mobile Web

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Interview mit Thomas Müller, Programmchef PULS vom BR, über Erfahrungen mit der deinPULs-App

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Weiterführende Informationen

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