Re-Recording: Wie aus alten Klassikern neue Hits werden

Veröffentlicht am 01. Mai. 2013 von unter Frequenzstörung

Fast alle Radiosender versprechen den Hörern „mehr Abwechslung“ oder den „besten Mix“. Zu der richtigen Musikmischung gehören auch ältere Titel aus den Jahren 1980 – 2000, die dann gerne als Kulthit, Klassiker oder als besten Hit aller Zeiten verkauft werden. Schließlich will man kein Oldie-Image angeheftet bekommen.

Auch eine intelligente Musikprogrammierung (bspw. keine älteren Titel als Opener oder Re-Opener etc.) trägt dazu bei, dass das Musikprogramm insgesamt nicht zu alt klingt.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die Radiosender seltener nutzen. Den Einsatz von Re-Recording-Titel. Viele erfolgreiche Künstler haben nämlich ihre älteren Hits neu eingespielt oder neu arrangiert.

Cold as Ice, I want to know what love is oder Urgent von Foreigner sind als Best-Tester bei vielen Sendern fester Bestandteil im Classic-Rock Repertoire. Doch sind wir ehrlich: Die Musik klingt wie ein alter Teppich, muffig und verstaubt. Daran kann auch die beste Anmoderation nichts ändern.

Hören Sie sich zum Vergleich nun die Re-Recording-Versionen auf dem Album Acoustique & More an. Neben Unplugged-Versionen hat die Band Foreigner seine größten Hits 2011 im Studio neu eingespielt. Der Effekt beim ersten Hören ist vergleichbar wie das erste Mal HD-Fernsehen gucken. Man will nie wieder was anderes.

Das gleiche bei John Farnham. Auf dem Album The Acoustic Chapel Sessions hören sich Pressure Down, You’re the voice und That’s freedom an, als wenn John Farnham gerade im Sendestudio stehen würde. Man lauscht fasziniert grinsend einer Musik, die man bestens kennt und plötzlich ganz neu erlebt.

Gold (New 2009 Studio Recording) von Spandau Ballet klingt auf dem Album Once More ohne Synthesizer nicht mehr nach 80er-Jahre Musik. Erst jetzt – mit den Streichern – versteht man wie großartig diese Musik eigentlich ist. Auch bei den neu arrangierten Versionen Livin’ on a prayer und It’s my live von Bon Jovi (Album This Left Feels Right) kann man nicht anders, als (das Radio) lauter zu drehen.

Ich höre schon ein Ja, aber. Die neuen Versionen seien mit den Originalaufnahmen nicht wirklich vergleichbar, weil Unplugged-Version, anderer Lead-Sänger, neu arrangiert etc. Das ist zweifelsohne richtig.

Doch würden die Hörer die alten muffigen Aufnahmen vermissen?

 

Sascha Baron (Bild: privat)

Sascha Baron arbeitet seit 15 Jahren für öffentlich-rechtliche und private Radiosender. Er ist Programmberater, Dozent für verschiedene Journalistenschulen und Inhaber der DREILANDMEDIEN UG

Kontakt: baron@radioszene.de 

 

 

 

 

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