NRW: Lokalradio mit System

Veröffentlicht am 06. Aug. 2012 von unter Deutschland

Lokalfunkportrait-Serie: radio NRW und Radio 91.2 in Dortmund

Lokalradio in Nordrhein-Westfalen (NRW) wird mit System betrieben: Dem aufmerksamen Beobachter stellt sich dabei die Frage, weswegen ein „No-Name-Sender“ der meistgehörte Sender Deutschlands sein kann und wie es die NRW-Lokalradios schaffen, dem Hörer zu suggerieren, sie seien rund um die Uhr präsent, obgleich sie nur fünf oder acht Stunden aus Ihren eigenen Studios senden.

Wegweiser am Funkhaus von radio NRW (Bild: Hendrik Leuker)

Wegweiser am Funkhaus von radio NRW (Bild: Hendrik Leuker)

Hendrik Leuker hat sowohl den Mantelprogrammanbieter radio NRW in dessen Oberhausener Zentrale wie auch den Dortmunder Lokalsender Radio 91.2 besucht und zeigt im folgenden das Zusammenspiel zwischen Zentrale und Lokalsendern auf.

Mantelanbieter radio NRW

Den Grund für die Konstruktion bestehend aus zentralem Mantelprogramm und Lokalsendern vor Ort beschreibt der Geschäftsführer von radio NRW Dr. Udo Becker (53) wie folgt:

Dr. Udo Becker (Bild: radioNRW)

Dr. Udo Becker (Bild: radioNRW)

„In den 80erJahren wurde deutschlandweit das Kabel ausgebaut. Damit entstanden neue Übertragungswege für den Rundfunk. Es folgte eine intensive Debatte über die Zulassung privaten Rundfunks, an deren Ende die Einführung der dualen Rundfunkordnung in den Ländern stand. Auch in Nordrhein-Westfalen wurde der private Rundfunk auf Grundlage des Landesrundfunkgesetzes 1989 zugelassen. Der damalige Gesetzgeber wollte im Bereich des Hörfunks mit dem Lokalfunk ein neues, flächendeckendes Medienangebot von hoher programmlicher Qualität und inhaltlicher Breite etablieren.“

Die Zeitungsverleger wollten ihre Werbemärkte schützen und drängten gleichzeitig darauf, Zugang zum neuen Medium Privatfunk zu erhalten. Am 01.04.1990 ging der erste Lokalfunk in NRW Radio Duisburg, seinerzeit unter der Bezeichnung „Radio DU“, auf Sendung. Aus wirtschaftlichen Gründen bedurfte es eines Mantelprogrammanbieters. 24 Stunden on Air zu sein hätte einen einzelnen Lokalsender wirtschaftlich überfordert. Es gab zunächst verschiedene Mantelprogrammanbieter, von denen sich radio NRW aber am Markt durchsetzte. radio NRW breitet heute seinen Mantel aus Musik, Information, Unterhaltung und Comedy über insgesamt 45 angeschlossene Lokalsender aus. Zuletzt kam Antenne AC (Raum Aachen) dazu. Versorgungslücken gibt es nur noch in den Kreisen Heinsberg und Olpe (Sauerland).

40 festangestellte Redakteure gestalten heute im Oberhausener Funkhaus überregionale Magazinsendungen, abwechslungsreiche Unterhaltungsshows, stündliche Weltnachrichten und aktuelle Informationen aus NRW, die den landesweiten Rahmen bilden, in dem die Lokalsender ihre Kompetenz vor Ort einbringen können.

An radio NRW sind die nordrhein-westfälischen Zeitungsverleger und der Axel-Springer-Verlag über die Pressefunk als Mehrheitsgesellschafter zu 59 %, der öffentlich-rechtliche Mitbewerber WDR Köln zu 24,9 % und die RTL Group zu 16.1 % beteiligt.

radio NRW ist bewusst ein No-Name-Sender

„radio NRW ist keine Marke im Hörermarkt. Stattdessen haben sich die Lokalsender vor Ort als eigene starke Marken entwickelt.“, betont Dr. Becker. Die Etablierung des Lokalfunks in NRW folgte der politischen Zielsetzung, einerseits eine Konzentration von Meinungsmacht zu vermeiden, andererseits Meinungsvielfalt zu gewährleisten sowie das Anzeigengeschäft der Zeitungen zu schützen. Die Rolle der Verleger sollte dabei auf die kaufmännische und technische Seite des Radiomachens beschränkt sein, die Zuständigkeit für Inhalte wollte man ihnen aber nicht einräumen.

„Dies wurde erreicht, indem für jeden Sender auf Grundlage des sogenannten Zwei-Säulen-Modells eine Betriebsgesellschaft (BG) und eine Veranstaltergemeinschaft (VG) gegründet wurden. Die BG besteht zu 75 % aus örtlichen Zeitungsverlegern, 25% entfallen auf die Kommune. Die VG, die als Inhaberin der Sendelizenz für die Programminhalte zuständig ist, setzt sich aus Vertretern von gesellschaftlich relevanten Gruppen wie Vereinen, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden zusammen. Das Bundesverfassungsgericht hat diese besondere Konstruktion in seinem sechsten Rundfunkurteil 1991 für verfassungsgemäß erklärt.“, erläutert Dr. Becker.

Aktuell werden die Verlegerinteressen durch das Vorhaben der privaten Fernsehsender der Pro SiebenSat.1 – Gruppe herausgefordert, die künftig im NRW-Kabel auch regionale TV-Werbung einspeisen möchte. Diese Bestrebungen sind dem werbefinanzierten NRW- Lokalfunk ein Dorn im Auge (siehe auch: radio NRW spricht sich gegen die Vermarktungspläne von ProSiebenSat.1 aus).

„Bei einem Eingriff nationaler TV-Stationen in diesen so wichtigen Markt wäre die publizistische Vielfalt, zu der der Lokalfunk in NRW seit über 20 Jahren beiträgt, erheblich in Gefahr. Die erfolgreiche wirtschaftliche Grundlage des Radios wäre tangiert. Zudem ist das Vorgehen von ProSiebenSat.1 nicht mit dem Landesmediengesetz in NRW vereinbar, denn das nationale TV-Angebot darf im NRW-Kabel nur zeitgleich und inhaltlich unverändert verbreitet werden.“, verdeutlicht Dr. Becker, ein promovierter Jurist, den Standpunkt des Senders, der den Eingriff in die regionalen Werbemärkte durch nationale TV-Anbieter als rechtswidrig ansieht.

Moderatorin Britta von Lucke (Bild: Hendrik Leuker)

Moderatorin Britta von Lucke (Bild: Hendrik Leuker)

radio NRW produziert das zentrale Mantelprogramm für alle 45 Lokalsender

In § 55 Landesmediengesetz NRW wurde dabei vorgesehen, dass Lokalsender an allen Tagen in der Woche möglichst acht Stunden live aus dem Studio vor Ort senden, sog. Achtstünder. Als dauerhaft mögliche Ausnahme ist es Sendern – soweit wirtschaftlich geboten – erlaubt, lediglich fünf Stunden vor Ort zu produzieren, sog. Fünfstünder. Im Ausnahmefall können auch nur drei Stunden gesendet werden, regelmäßig aber nur am Wochenende. Achtstünder sind in allen großen Städten in NRW anzutreffen; Fünf- und Dreistünder begegnet man überwiegend in der Fläche. Ab dem Jahre 1997 wurde fortlaufend angestrebt, die Sendestrecken, in welchen die Lokalsender vor Ort on Air sind, zu harmonisieren.

„Einheitlich ist, dass die Morgensendung mindestens von 6 bis 9 Uhr aus den Lokalstationen kommt.“, fügt Dr. Becker hinzu. Auch in den Zeiten, in denen der Lokalsender vor Ort auf Sendung ist, wird das Musikprogramm nach der zentral vorgegebenen Playlist gefahren. Eigene Musiksendungen von Lokalradios wie „Kölsch un jot“ von Radio Köln am Sonntagabend (21-24 Uhr) sind dabei die Ausnahme.

Martin Kunze (Bild: Radio NRW)

Martin Kunze (Bild: Radio NRW)

Programmdirektor Martin Kunze (45) nennt hierfür einen einleuchtenden Grund: „Damit wird die größtmögliche Bindung der Hörer an das Programm erreicht.“ Gespielt werden rund um die Uhr die ganze Woche Hits der Genres Pop/Rock, Pop und neuerdings verstärkt Pop/Dance, aus den 80ern, 90ern, 2000ern und den aktuellen Charts; ein Basis-AC (Adult Contemporary)-Format kombiniert mit neuen Titeln auf der Grundlage organisierter Hörer-Befragung ist somit entstanden. Aktuell haben Pop/Dance- Interpreten wie David Guetta, Usher, Taio Cruz und Rihanna Eingang in die Playlists von radio NRW gefunden.

„In letzter Zeit läuft Pop/Dance gut“, bestätigt Kunze diesen neuen musikalischen Trend, der sich deshalb im Musikangebot des Senders wiederfindet. Nicht gespielt werden Titel aus den Bereichen Klassik und Jazz sowie Pop/Rock der 70er und abwärts. „Unser Musikclaim heißt Der beste Mix- Kulthits und das Beste von heute. Wir wollen dabei große Teile der an uns von den Hörern gerichteten Musikwünsche abbilden.“, fasst Kunze kurz zusammen. Vertreten sind auf den Playlists von radio NRW somit etablierte Künstler wie Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Rolling Stones, Madonna sowie Unheilig, Lady Gaga und die erwähnten aktuell angesagten Künstler aus dem Pop/Dance-Bereich.

6 % des Umsatzes – wie branchenüblich – gehen als Gebührenzahlung an den Rechteverwerter GEMA mit Sitz in Berlin und München. radio NRW sendet zentral aus Oberhausen Nachrichten zur vollen Stunde rund um die Uhr, die von allen Lokalsendern übernommen werden. Schlagzeilentexte um halb aus Deutschland und der Welt vor den Lokalnachrichten werden ebenfalls den Lokalsendern vor Ort überspielt. „Das ist ein Angebot. Die Übernahme ist aber nicht verpflichtend.“, betont Kunze.

Unterstützt wird die Nachrichtenredaktion in Oberhausen durch die radio NRW-Hauptstadtstudios in Berlin und Düsseldorf sowie den Zugriff auf ein breites Korrespondentennetz. „Außerdem wurden durch Einrichtung von sog. Tagesdesks die verschiedenen Inhaltsschwerpunkte der Redaktionen besser miteinander verzahnt, so dass man hier in der Lage ist, Themen im Sinne einer Durchhörbarkeit über den gesamten Tag aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.“

Was journalistische Beiträge angeht, ist die Lieferstrecke Zentrale- Lokalsender zwar die Hauptroute aber keine Einbahnstraße: „Es kommt auch vor, dass ein Beitrag eines Lokalsenders vor Ort vom radio NRW- Mantelprogramm wegen seiner allgemeinen Bedeutung übernommen wird wie z.B. Beiträge zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs (2009), vom schweren Massenunfall im Tunnel auf der A 57 zwischen Düsseldorf und Köln bei Dormagen (2012), der Entführungsfall Mirco aus Grefrath (2010) sowie von der Wiederholung der OB-Wahlen in Dortmund (2010).“, ergänzt Kunze.

An Comedybeiträgen steuert radio NRW den Lokalsendern hausgemachte beliebte Serien wie „Jogis SEMS“ (mit dem stimmlich nachgemachten Fußballbundestrainer Jogi Löw), „Elvis Eifel“ (Spaßtelefon; im Fachjargon: candid phone), „Ein Single kommt immer allein“ sowie das „Angiephone“ und das „Kanzlerposting“ (mit der imitierten Bundeskanzlerin Angela Merkel) zu. Ab und zu wird eine bundesweit erfolgreiche Serie wie „Der kleine Nils“ zugekauft (hier von 104.6 RTL Berlin).

Was die Soundelemente und Jingles angeht, so kommt die Verpackung der Lokalsender primär von der Zentrale aus Oberhausen. „Wir kümmern uns dann um die Weiterentwicklung vor Ort“, fügt Kunze hinzu. Die Zusammenarbeit zwischen dem Mantelanbieter radio NRW und den BGs und VGs der Lokalsender funktioniert gut. Regelmäßige Treffen zwischen radio NRW und den Chefredakteuren und Vertretern von BGs und VGs finden zweimal im Jahr- im Frühjahr und im Herbst- in der sogenannten Konferenzenreihe statt. Hinzu kommen themenbezogene Meetings mit den Lokalsendern. „Der Dialog, der dort stattfindet, ist von Gemeinsamkeit und Professionalität getragen.“, bekräftigt Dr. Becker.

Das Veranstalten von Events ist nicht ausschließlich Sache der Lokalsender. Zwei bis dreimal im Jahr finden Geheimkonzerte der NRW-Lokalradios im relativ kleinen Zuhörerkreis- vor ca. 200-300 Besuchern-statt. „Diese Geheimkonzerte werden im Mantelprogramm von radio NRW beworben. Der Künstler steht fest, der Ort ist jeweils unbekannt. Das können Theater in der Region sein oder schon einmal das Funkhaus von Radio NRW in Oberhausen. Die Tickets kann man dabei nicht kaufen, sondern nur auf der Antenne gewinnen.“, erklärt Pressereferentin Ina Pfuhler. So fand z.B. im Juni 2012 ein Geheimkonzert mit Newcomer Tim Bendzko („Wenn Worte meine Sprache wären“) statt. Außerdem arbeitet Radio NRW im Rahmen der Radiostartour mit den Lokalsendern vor Ort zusammen.

Die Programmleistungen von radio NRW wurden mit dem Ergebnis der Mediaanalyse 2012/II einmal mehr belohnt: Mit 1,726.000 Hörern in der Bruttoreichweite in der werberelevanten Durchschnittsstunde (MO-FR; 6-18 Uhr) verteidigte man zum 25. Mal seine bundesweite Spitzenposition im Senderranking (siehe auch: NRW-Lokalfunk ist unangefochtene Nummer1 im deutschen Radiomarkt). Der Lokalfunk ist mit anderen Worten der meistgehörte Sender der Bundesrepublik und das seit dem Jahr 2000!

Das Radio NRW-Team freut sich über 1,7 Mio Hörer (Bild: Radio NRW)

Das radio NRW-Team freut sich über 1,7 Mio Hörer (Bild: radio NRW)

Aktuell werden in NRW neue Frequenzen ausgeschrieben. Das geschieht jedoch im Block, so dass Projekte wie z.B. ein zweites Lokalprogramm in Düsseldorf, das ernsthaft erwogen wird, fraglich sind.

Technik verbindet

Die Technik ist das Bindeglied zwischen Lokal- und Mantelprogramm. Bei radio NRW beschreibt man dieses so: Satellitentechnik, modernes Rundfunk Know-How und eine eigens entwickelte Software ermöglichen die Verknüpfung von Lokal- und Mantelprogramm. radio NRW führt sein Programm per Satellit zu den einzelnen Lokalstationen. Parallel werden auf diesem Weg Daten versandt. So erhalten die Lokalsender Informationen zu Werbezeiten und Musikablaufplänen. Durch Fernstartimpulse werden akustische Elemente, die Senderkennungen der einzelnen Lokalstationen sowie die lokalen Werbeblöcke (vor den Lokalnachrichten um halb) ausgelöst. Dieses ist im Sinne eines nahtlosen und harmonisch eingebetteten Programmablaufs erforderlich. Über das Intranet schließlich überspielt radio NRW den Lokalstationen zusätzliche Programmelemente wie Musiktitel und Beiträge mit Themen aus Nordrhein-Westfalen und der Welt für den Einsatz vor Ort.

Lokalsender vor Ort- am Beispiel von Radio 91.2 (Dortmund)

Im Herzen der Stadt liegt Radio 91.2, der Lokalsender von Dortmund und einer der erfolgreichsten Großstadtsender in NRW. Kurz vor dem Umzug von dem traditionsreichen Standort in der Karl-Zahn-Straße in die Silberstraße besuchte ich die Station.

Martin Busch (Bild: Radio 91.2)

Martin Busch (Bild: Radio 91.2)

Martin Busch (54), der über ein Germanistik-Studium, einem Volontariat bei einem Redaktionsbüro in Düsseldorf und Stationen beim damaligen Schwarzwaldradio in Freiburg (Breisgau) Ende der Achtziger Jahre sowie als Wortchef von radio NRW (Oberhausen) Anfang der Neunziger Jahre im September 1991 zu Radio 91.2 nach Dortmund kam, ist dort seitdem Chefredakteur. „Damals gab es keinen klassischen Ausbildungsweg, um zum Radio zu kommen.“, merkt Busch an. Heute rät er zum Volontariat bei einem Sender und zu einem Journalistik/ Publizistik-Studium.

Am 14.09.1991 ging Radio 91.2 auf Sendung. Der Lokalsender, der acht Stunden aus dem Dortmunder Studio sendet und den Rest der Zeit das Mantelprogramm von radio NRW übernimmt, ist einer der beliebtesten Lokalradios in NRW: „Bei den absoluten Zahlen wechseln wir uns zur Zeit mit Radio Bonn/Radio Rhein-Sieg und Radio MK in Iserlohn (MK=Märkischer Kreis; umfasst Iserlohn und Lüdenscheid) auf der Spitzenreiterposition ständig ab. Bei uns sind das gut 200.000 Hörer täglich. Bei der Quote ist aber Radio Siegen mit 45 % Hörern täglich die klare Nummer 1. Für uns ist Dortmund der Maßstab: Hier sind wir seit 15 Jahren Marktführer! Derzeit erreichen wir 31,6 % Tagesreichweite (MO-FR) und liegen weit vor dem nächststärksten WDR- Sender, nämlich WDR 2, mit 22 %.“, zeigt sich Busch mit der Resonanz bei den Hörern sehr zufrieden.

An der Betriebsgesellschaft (BG) von Radio 91.2 ist zu 40 % das Medienhaus Lensing, das die „Ruhr-Nachrichten“ verlegt und Radio 91.2 im operativen Geschäft führt, sowie zu 35 % die WAZ- Gruppe beteiligt.25 % entspricht- wie stets- dem kommunalen Anteil, gehalten von den Stadtwerken Dortmund. „Mit der BG haben wir keine Probleme. Diese lässt uns inhaltlich freies Spiel.“, betont Busch.

Der Claim der Lokalsender in NRW ist eine Zahl: 100 %; im Falle von Radio 91.2 eben 100 % Dortmund: „Es geht darum, was das Objekt unserer journalistischen Betrachtung ist. Wir senden aus und für Dortmund. Das ist nicht nur eine Phrase, wir fühlen uns zur Gänze als Lokalredakteure für die Stadt Dortmund. Alles, was über Dortmund hinausgeht, überlassen wir radio NRW.“, stellt Busch das Zentrum der täglichen Arbeit heraus- die Stadt, aus der gesendet wird.

In der meistgehörten Sendung „Dortmund am Morgen“ von 6-10 Uhr abwechselnd moderiert von Gedeon Degen, Dietrich Hellmann und Steffi Strecker stehen somit überwiegend lokale Themen im Vordergrund. „Die Themen müssen die ganze Stadt Dortmund interessieren. Wir agieren nicht stadtteilbezogen. Diese sind ein wichtiger Einschaltimpuls für unsere Hörer. Heute Morgen (Datum meines Besuches: 28.03.12; der Verf.) wurden z.B. folgende Themen in der Morgensendung behandelt: Wir haben über ein Konzert von Dick Brave and The Backbeats berichtet. Deren Bandleader Sasha hat lange Zeit in Dortmund gelebt; desweiteren gab es einen Bericht über den Deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund. Der BVB ist natürlich das Lokalereignis in dieser fußballbegeisterten Stadt. Auch hatten wir einen Beitrag über die vorgelegte Jahresbilanz 2011 der Dortmunder Stadtwerke und die Auswirkungen auf das tägliche Leben der Hörer, die daraus folgen.“, lässt Busch den Programmablauf am Morgen Revue passieren.

Gedeon Degen im Sendestudio (Bild: Radio 91.2)

Gedeon Degen im Sendestudio (Bild: Radio 91.2)

„Wir sind ein sog. Achtstünder und von 6-10 Uhr und von 14-18 Uhr lokal On Air. Wir haben aber auch zusätzliche Sendezeit, wenn wir von den Spielen von Borussia Dortmund- national wie international- live in Auszügen berichten. Lokale Nachrichten laufen bei uns zur halben Stunde, nämlich von 6.30- 18.30 Uhr. Bei Radio 91.2 beginnen diese mit dem lokalen Wetter, dann kommen die Lokalnachrichten, die bei uns Express genannt werden, mit Kurzbeiträgen und O-Tönen.

Am Schluss erfolgt das Teasing auf die überregionalen Nachrichten zur vollen Stunde von radio NRW und unser lokaler Verkehrsservice. Den Schlagzeilendienst von radio NRW nutzen wir nicht. “, gibt Busch einen kurzen Überblick auf den Programmaufbau. Lokale Beiträge von 2-3 Min Länge kommen während der vorgeschriebenen Sendezeit in der 10. und 45.Minute; kleine Kollegengespräche und Sidekicks sind in der 17. Und 37. Sendeminute bei Radio 91.2 anzutreffen.

Der Bürgerfunk ist – wie allgemein in NRW üblich – nur noch eine Sendestunde im Äther; von MO-SA um 21-22 Uhr und am Sonntag von 20-21 Uhr. Chefredakteur Busch ist sogar das noch zu viel: „Angesichts des Internets und der Webradios stellt sich die Frage, ob Bürgerfunk überhaupt noch notwendig ist“, meint er. Will sagen: Jeder kann doch heutzutage senden, wenn er will und sich an die Gesetze hält. Außerdem bekommt der Lokalfunk inzwischen nur noch Fördergelder vom Land NRW für Schulprojekte im Bürgerfunk.

 

Die namensgebende Frequenz 91,2 MHz, auf der Radio 91.2 sendet, verbreitet den Lokalsender im Großraum Dortmund, im angrenzenden Münsterland, im Kreis Recklinghausen, im Kreis Unna und im Stadtgebiet Bochum. Somit kommt man mit dieser Frequenz auf eine technische Reichweite von rund 1 Million Hörern (über 10 Jahre).

Firmenbus von Radio 91.2 (Bild: Hendrik Leuker)

Firmenbus von Radio 91.2 (Bild: Hendrik Leuker)

Kontakt zu den gut 200.000 Hörern, die täglich Radio 91.2 einschalten, stellt der Lokalsender durch Events wie „20 Jahre Radio 91.2“, gefeiert mit einer großen Radioparty in der Dortmunder Westfalenhalle am 08.10.11 her. 6000 Besucher zählte man damals. Die Marketingabteilung von Radio 91.2 organisiert regelmäßig Hörerreisen. Auch ist Radio 91.2 Medienpartner von Konzerten, die im Konzerthaus, der Westfalenhalle oder im Freizeitzentrum West (FzW) je nach Genre stattfinden.

Während der Radiostartour arbeitet Radio 91.2 mit radio NRW zusammen. „Die Zusammenarbeit mit radio NRW ist recht problemlos, solange alle bei ihrem Leisten bleiben. Das Feld ist gut aufgestellt. Wir sind allein für den lokalen Teil zuständig, radio NRW übernimmt den überregionalen Part. Es entstehen somit keine regelmäßigen Konfliktherde. Auch setzen wir Vorgaben wie die Playlists mit der dreistelligen Rotation von radio NRW während unserer On Air- Zeit um. Wir akzentuieren unsere Interessen im System.“, führt Busch weiter aus.

Zu den finanziellen Interessen gehört zweifelsohne der lokale Werbeblock, der in der 22.-25. Minute einer jeden Stunde mit Werbung läuft (außer nachts). Worin liegen die Unterschiede zwischen einem privaten Lokalsender in NRW und Privatsendern in Bayern und Baden-Württemberg?

„Die Lokalsender in NRW haben ein vergleichsweise entspanntes Dasein. Wir können Journalismus mit Qualität unseren Hörern anbieten anstatt Gewinnspiele zu senden. Radio 91.2 schreibt auch ohne Gewinnspiele satte schwarze Zahlen. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es einfach für die Lokalsender mehr Konkurrenz vor Ort. Viele Sender kämpfen daher um das Überleben. In Großstädten vergleichbar mit Dortmund gibt es gleich mehrere Lokalsender; in Bayern kommt der landesweite Privatsender Antenne Bayern und das nicht immer als öffentlich-rechtlich zu erkennende Bayern 3 hinzu. In Baden-Württemberg ist es ähnlich: Hier besteht die Konkurrenz aus den sog. Bereichssendern (Radio Regenbogen; Antenne 1 und Radio 7) und dem im Grunde- vormals – als SWF 3- Prototypen der deutschen Privatsender SWR 3 (öffentlich-rechtlich).“, weiß Busch um die komfortable Situation der Lokalsender in NRW.

 Radio 91.2-Maskottchen Kurt (Bild: Hendrik Leuker)

Radio 91.2-Maskottchen Kurt (Bild: Hendrik Leuker)

Mein persönliches Fazit

Lokalfunk in NRW erfolgt tatsächlich mit System. Wenn man es verstanden hat erscheint es in sich übergreifend und logisch aufgebaut.

Nachdem ich ein Dutzend Lokalsender im Rahmen dieser kleinen Serie, die (vorläufig) zu Ende geht, vorgestellt habe, kann festgehalten werden, dass die Lokalprogramme in NRW journalistischer und daher informativer sind als im Süden, wo die Privatsender tatsächlich privater klingen mit Personalityshows und mehr Comedy sowie Gewinnspielen.

Abschließend bedanke ich mich bei Gerd Klawitter aus Coesfeld für seine aktive Mitwirkung bei diesem Artikel (Beitragsteil radio NRW). Es wird schließlich noch darauf hingewiesen, dass im Abschnitt „Technik verbindet“ von mir aus der Pressemappe von radio NRW zitiert wurde.


Hendrik
Leuker ist Redakteur des RADIO KURIER.

 

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