DAB+: Es braucht jetzt un­be­dingt gleich lan­ge Spies­se!

Veröffentlicht am 18. Jul. 2012 von unter Standpunkte

„DAB ver­mit­telt noch kei­ne Vi­si­on“ rief der Trend­for­scher in den Saal und sch­reck­te die sat­te Ge­sell­schaft beim tr­ägen Ver­dau­en auf. Und überhaupt, fuhr er wei­ter: bei dem Lo­go, das jetzt die Geräte zie­re, müsse m­an sich ja wir­k­lich nicht wun­dern, wenn kaum je­mand DAB reiz­voll fin­de.

Das war na­türlich mass­los übertrie­ben! Es gibt schon ei­nen Play­er im Um­zug, dem ei­ne kla­re Vi­si­on nicht ab­zu­s­t­rei­ten ist und des­sen Rech­nung auch auf­zu­ge­hen scheint. Das ist der öffen­tli­ch-recht­li­che Rund­funk – in wel­chem Land auch im­mer! Sei­ne Ein­nah­men hat er dank Gebühreng­eld­ern am 1. Ja­nuar fest in der Kas­se. Von dann an braucht er die Li­qui­dit­ät nur noch zu steu­ern. Mit die­ser be­zahlt er auch mas­si­ve In­ves­ti­tio­nen in DAB+, ein­sch­liess­lich be­deu­ten­der Mar­ke­tin­g­aus­ga­ben dafür. Das si­chert ihm drei­er­lei: die Hörer kau­fen Emp­fangs­geräte, er kann wei­te­re Pro­gram­me über DAB+ ver­b­rei­ten, auch Ni­schen­pro­gram­me, und sch­liess­lich die teu­ren UKW-Fre­qu­en­zen ab­s­tel­len und so sei­ne Ren­di­te ver­bes­sern. Weil er über Mitt­el verfügt, m­it wel­chen er auch un­be­s­trit­ten gu­te Ra­dio­pro­gram­me macht, fes­tigt er mit DAB+ sei­ne Po­si­ti­on im Markt – bei Hörern und, wo zu­ge­las­sen, auch bei Wer­bern.

Und die pri­va­ten Ver­an­stal­ter? Sie ver­brin­gen ih­re Zeit zu ei­nem schönen Teil mit der Si­cher­stel­lung der Ein­nah­men, aus wel­chen sie ih­re eben­falls be­ach­te­ten UKW-Pro­gram­me fi­nan­zie­ren. Re­ser­ven ha­ben sie kaum bil­den können und wenn sie den An­schluss an den öffen­tli­ch-recht­li­chen Rund­funk nicht ver­lie­ren wol­len, müssen ­sie ho­he Kos­ten für die DAB+-Ver­b­rei­tung ein­fach in Kauf neh­men. Weil das vo­r­erst nicht zu Meh­r­ei­nah­men führt, f­ehlt das Geld an ei­nem an­de­ren Ort – am ehes­ten im Pro­gramm, wo das Spa­ren am ra­sches­ten ein­schenkt.

Die Leh­re dar­aus? Wenn sich der öffen­tli­ch-recht­li­che Rund­funk sei­ne gan­zen DAB+-In­ves­ti­tio­nen über Gebühreng­elder fi­nan­zie­ren kann, ist es nur rich­tig, wenn der pri­va­te Rund­funk das auch darf. Sonst wird näml­ich über eine Ver­b­rei­tungs­tech­no­lo­gie Me­di­en­po­li­tik be­trie­ben und der Markt wird be­ein­flusst. Dass das die Idee der di­gi­ta­len Ent­wick­lung sein soll, steht aber in kei­nem Ge­setz. Wenn die pri­va­ten Ver­an­stal­ter im Rah­men der Teil­re­vi­si­on des RTVG jetzt ver­lan­gen, dass In­ves­ti­tio­nen in di­gi­ta­le Ver­b­rei­tungs­tech­no­lo­gie mas­siv über Gebühreng­elder fi­nan­ziert wer­den, ist das kein Jam­mern um Sub­ven­tio­nen, son­dern das Ein­for­dern glei­cher Be­din­gun­gen wie der öffen­tli­ch-recht­li­che Rund­funk sie schon lan­ge hat.

 

Jürg Bachmann

 

Jürg Bachmann ist Präsident vom Verband Schweizer Privatradios (VSP)

 

 

 

 

 

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