Trend 2012: Webradio-Branche wächst qualitativ

Veröffentlicht am 13. Jun. 2012 von unter Deutschland

Der Webradiomonitor ist die wichtigste Marktanalyse zu Anbietern, Nutzung, Reichweiten und Werbeumsätzen von Webradios in Deutschland. Er wird zur Zeit von Goldmedia im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) erarbeitet. Die Studie entsteht dieses Jahr nun schon zum vierten Mal. In den vergangenen Jahren zeigte die Entwicklung der Webradios in Deutschland immer nach oben. Ob der Trend weiter anhält oder die neuen Streaming-Dienste den Webradios vielleicht zu schaffen machen, fragten wir Prof. Klaus Goldhammer, Geschäftsführer von Goldmedia.

RADIOSZENE: Herr Goldhammer, zeigt die Wachstumskurve im Webradiomarkt weiter nach oben?

Prof. Klaus Goldhammer

Prof. Klaus Goldhammer

Goldhammer: Da die Befragung noch nicht ganz abgeschlossen ist, gibt es derzeit leider noch keine abschließenden Zahlen. Aber, es lässt sich schon jetzt sagen, dass die Bedeutung und die Nutzung von Webradio weiter zugenommen haben. Allerdings wächst die Branche derzeit weniger quantitativ, sie strukturiert sich vielmehr um und verändert sich in qualitativer Weise. Wir konnten zum Beispiel beobachten, dass es eine starke Aufwärtsbewegung bei den Online-Streams der UKW-Marken gibt und dass einige kleinere Anbieter den Sprung in‘s Semiprofessionelle geschafft haben. Für den Webradiomonitor 2012 befragen wir erneut alle deutschen Anbieter von Webradio-Diensten und erheben auf der Basis einer umfangreichen Primärforschung wichtige Branchendaten – sozusagen aus erster Hand.

RADIOSZENE: Neue Streaming-Dienste wie Spotify oder Simfy machen den Online-Musikmarkt immer attraktiver. Sind diese Angebote Konkurrenz für die Webradio-Anbieter?

Goldhammer: Das Aufkommen neuer Musik-Streaming-Dienste lässt sich seit Anfang dieses Jahres und den GEMA-Tarifen vermehrt beobachten. Dass einige Webradio-Anbieter deren starke Präsenz spüren werden, davon kann man ausgehen. Sicher sind viele User neugierig und probieren das aus. Ob der Markt davon langfristig beeinflusst wird, bleibt abzuwarten. Wir sind sehr gespannt, wie sich die Webradio-Anbieter in unserer Befragung selbst zu diesem Thema positionieren. Interessant ist auch die Frage, wie sich solche Dienste auf die Nutzung von mp3-Anbietern wie iTunes u.a. auswirken.

RADIOSZENE: Können Sie schon eine Aussage zur Webradio-Nutzung treffen?

Goldhammer: Konkrete Zahlen dazu werden wir auf den Lokalrundfunktagen 2012 erst Anfang Juli in Nürnberg präsentieren. Vorweg lässt sich sagen, dass die Abrufzahlen vor allem durch die mobile Nutzung per Smartphone und Tablets weiter steigen. Hier sehen wir auch künftig den stärksten Wachstumstreiber.

RADIOSZENE: Immer mehr ist von der Personalisierung der Medienangebote die Rede. Wie wichtig ist diese Tendenz im Webradio-Markt?

Goldhammer: Sehr wichtig. Gerade hier entstehen derzeit viele neue Dienste. Ein gutes  internationales, bereits seit langem etabliertes, Beispiel dafür ist Pandora in den USA, das mit deutlichem Vorsprung das Ranking der meistgeladenen iPhone-Musik-Apps in den USA anführt. Dass Pandora in Deutschland nicht abrufbar ist und ein Dienst wie Spotify hierzulande erst im März 2012 starten konnte, liegt insbesondere am Thema Urheberrecht. Die Akzeptanz von Personal Radio auf User-Seite ist hoch, dennoch bleibt abzuwarten, ob und wie sich diese Dienste langfristig erfolgreich finanzieren können. Denn, obwohl Pandora Rekordumsätze einfährt, schreibt es doch immer noch rote Zahlen.

RADIOSZENE: Mitte des vergangenen Jahres  initiierten RauteMusik.FM, Defjay.de und RBC den Webradioverband als erste nationale Interessenvertretung. Ein Ziel war es, sich für eine einheitliche Webradio-Währung stark zu machen. Ist man hier inzwischen vorangekommen?

Goldhammer: Die Gründung des Vereins war ein wichtiges Zeichen in Richtung Professio­nalisierung der noch jungen Webradio-Branche, auch wenn der Gründungs­prozess des Verbandes selbst noch anhält. Was eine einheitliche Währung und Reichweitenmessung anbetrifft, gibt es nach wie vor Defizite. Aber, es sind Lösungsansätze da, die hoffentlich in naher Zukunft auch umgesetzt werden. Nicht nur die Webradioinitiative ist an dem Thema auf jeden Fall dran, auch von Vermarkterseite gibt es positive Signale und Initiativen. Das Interesse an Webradio als Werbeträger ist jedenfalls auf Kunden- wie auch auf Agenturseite weiter gewachsen. Umso wichtiger ist es, dass es hier schnell zu Lösungen kommt.

RADIOSZENE: Herr Goldhammer, vielen Dank für das Gespräch.

Die Befragung zum Webradiomonitor 2012 läuft nur noch bis zum 18.06.2012.

Link direkt zum Fragebogen: http://www.goldmedia.com/survey/blm12/blm12login.html

Weitere Informationen:
www.webradiomonitor.de

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