Die 3 wichtigsten Fakten zur Zukunft des Radios

Veröffentlicht am 29. Aug. 2011 von unter Frequenzstörung

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Alles was Sie jetzt lesen werden, ist natürlich reine Spekulation. Niemand kann vorhersagen, wie Radiosender in 10 oder 20 Jahren klingen. Doch ich will es trotzdem mal versuchen.

1. Radio wird überleben

Keine Angst. Radio wird es sicherlich noch ganz lange geben. Oftmals totgesagt (“Video killed the radio star”) hören die Deutschen immer noch mehr als 3 Stunden Radio täglich; trotz Fernsehen, iPod, Smartphones und Internet. Und selbst der Anteil der jungen Radiohörer wächst (wieder).

Wer sich Playlists selbst zusammenstellen kann, braucht kein Radio mehr, dachten viele. Doch itunes ersetzt noch keinen Radiosender. Außerdem sind Menschen bei einer Unzahl von Wahlmöglichkeiten entscheidungsmüde geworden. Radio kommt dem entgegen: Einschalten und einfach berieseln lassen.

2. Radio wird lange auf UKW bleiben

Klar, Radio kann man auch im Internet hören. Und wer sich ein neues modernes Küchenradio kauft, der kann auch seinen Lieblingssender jetzt digital empfangen. Mit einem Webradio empfängt man sogar tausende Sender weltweit. Wow! Doch bedeutet das deshalb das Ende von UKW?

Natürlich nicht. Auch wenn Politiker immer wieder ankündigen, UKW den Saft abzudrehen, wird dieser Übertragungsweg noch eine sehr lange Zeit das Übertragungsmedium Nummer 1 bleiben. Warum sollten denn Millionen Deutsche von heute auf morgen Ihre UKW-Empfänger wegschmeissen? Sie funktionieren doch einwandfrei und machen das, was sie sollen: Sie liefern mir meinen Lieblingssender mit regionalen Infos.

“Ich will aber auch den coolen Radiosender aus NewYork und weitere 9000 Webradios hören!” – Vielleicht ist das so. Doch das Interesse dafür ist dennoch gering in der Bevölkerung. Es ist zwar keine Frage, dass Radiohören via Internet stark zugenommen hat, doch die allermeisten hören im Internet dieselben Programme, die sie auch auf dem Weg zur Arbeit über UKW hören.

3. Radio wird Social Media Guide

Jedem Radiomacher ist klar: Radioprogramme müssen in Zukunft mit den sozialen Medien verknüpft sein. Die Webseiten der Radiosender sind jetzt schon aufgeblasene Facebook-Fanseiten mit Radio-Community, Event-Fotos, MP3-Downloads und Ticketservice. Das funktioniert nicht nur bei einer jüngeren Hörerschaft gut.

In Zukunft werden die Radiomacher die Web-Community viel stärker in die Programme einbinden. Die technischen Voraussetzungen sind längst da. Schon bald wird der Großbrand in der Stadt, die Grillweltmeisterschaft oder das Rockkonzert ganz selbstverständlich auch von den Hörern vor Ort kommentiert werden. Audio- und Videoaufnahmen sind schnell online gestellt. Schon jetzt gibt es praktisch bei jedem Ereignis genügend Einträge in Twitter und Facebook. Spezielle Audio-Dienste wie audioboo.fm können zusätzlich genutzt werden. Es wird eine Renaissance des Journalismus im Privatradio geben. (Online)-Redakteure suchen Social-Media-Beiträge aus; Moderatoren verschaffen dem Hörer einen Überblick über das Geschehen.

Die Webseiten der Radiosender werden bald kein programmbegleitendes, sondern ein eigenständiges Online-Medium sein mit Multimedia-Reportagen, Videos, Bildergalerien und Artikeln. Die Hörfunkprogramme sind dann einfach ein Baustein eines großen Medienangebots. Die Verlage dürfte es freuen. So versprechen crossmediale Konzepte mehr Werbeeinnahmen. Wer diesen Zug nicht verpassen will, sollte anfangen seine Online-Redaktion zu vergrößern und Multimedia-Manager einzustellen.

Sascha-Baron-120

Sascha Baron ist Journalist, Programmberater und Herausgeber eines Online-Magazins. Er lebt und arbeitet in Berlin und Saarbrücken.

E-Mail: baron@radioszene.de

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