Medienforum.NRW: „Communicasting statt Broadcasting“

Veröffentlicht am 22. Jun. 2011 von unter Pressemeldungen

Wie wird das Radio von den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung beeinflusst werden? Glaubt man den Teilnehmern eines Experten-Panels des 23. Medienforum.NRW, kommen auf die Macher sowohl mehr Aufgaben als auch mehr Chancen zu. Fest steht auch: Der Konkurrenzkampf wird härter.

„Wir wollen Inkubator sein für die lokale Kreativszene“, erklärte Mona Rübsamen, Geschäftsführerin und Programmdirektorin von Motor FM. Ziel ihres Berliner Radioprogramms sei es, in allen urbanen Ballungsgebieten, die eine lokale Kreativszene hätten, präsent zu sein. In ihrer Keynote zählte die Geschäftsführerin die Stärken des Mediums Hörfunk auf, zu denen unter anderem die große Loyalität der Hörer zähle: Nur 1,2 Mal wechsele der Deutsche im Durchschnitt pro Tag den Sender. Andere Stärken seien Mobilität und die Fähigkeit, ein echter Begleiter zu sein und die Menschen emotional tiefer zu berühren als das Fernsehen. Das Verhältnis zwischen einem Radioprogramm und seinen Hörern ähnele einer Langzeitbeziehung: „Auch hier sollte man ab und zu für Überraschungen sorgen, um die Beziehung zu erhalten“, sagte Rübsamen und prognostizierte: „Communicasting wird Broadcasting ablösen.“

Daniel Fiene (Bild: ©Uwe Voelkner/Fotoagentur FOX)

Daniel Fiene (Bild: ©Uwe Voelkner/Fotoagentur FOX)

In der anschließenden Podiumsdiskussion zeigten sich Vertreter der Hörfunk-Branche selbstbewusst hinsichtlich ihrer Zukunftsperspektiven, die sich mehr und mehr auch ins Internet verlagerten. Es wurde aber auch deutlich, dass der Medienwandel in den Funkhäusern und Lokalradiostationen erst langsam ankommt. Daniel Fiene, Blogger und Redakteur von Antenne Düsseldorf, erklärte, es wäre schon gut, wenn sich Radioleute auf den „Ist-Zustand“ einstellen würden. Die Hörer gewöhnten sich gerade daran, zu „personalisieren“, also sich zu entscheiden, wem sie in einem immer unübersichtlicheren Markt folgen wollten. Zurzeit profitierten davon vor allem die Lokalstationen mit ihrem eindeutigen Angebot, das es so nirgends sonst gebe.

Diese Analyse bestätigte auch Frank Haberstroh, Chefredakteur von Radio WAF in Warendorf: „In unserem Sendegebiet haben wir mehr Hörer als 1Live und WDR 4 zusammen“. Eine reine Abspielstation könne jeder betreiben, richtig Radio zu machen, sei hingegen der „geilste Job der Welt“.

Hinsichtlich der Aussichten, über eigene Radioprogramm-Websites an Hörer zu kommen, versuchte der WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz „Wasser in den Wein zu gießen“. Zum Radio gehöre auch, „dass es ein einfaches Medium ist“, erklärte Schmitz. Es sei einfach zu konsumieren und zu bedienen, ob der Hörer noch etwas anderes wolle, sei ungewiss. Sicher sei jedoch, dass es immer stärker darauf ankomme, das Lebensgefühl der Leute zu treffen. Auch die Rolle der Moderatoren werde wichtiger werden.

Dr. Udo Becker, Geschäftsführer von Radio NRW, zitierte einen alten Bergmannspruch: „Vor der Hacke ist es schwarz.“ Es sei schwer, die Entwicklung vorherzusagen, gleichzeitig aber müsse man die Basis für die Zukunft schaffen. Ebenso wie Frank Haberstroh beklagte er die wachsende Konkurrenz durch den WDR: „Wir sind zwar stark, aber der Wettbewerber wird stärker.“ Becker kündigte vor allem auf der Musikebene eine aggressive Strategie an: Er wolle mehr „Top-Acts“ nach Nordrhein-Westfalen holen, die sonst keiner habe.

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