Radiotest 2. Halbjahr 2010: Wiener Radiomarkt in Bewegung

Veröffentlicht am 27. Jan. 2011 von unter Österreich

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Der aktuelle Radiotest wartet mit einigen Überraschungen auf. Vor allem in Wien hat es nach einer längeren ruhigen Phase mit mehr oder weniger unspektakulären Radiotests, wieder größere Verschiebungen am Radiomarkt gegeben. Es gibt eindeutige Gewinner. Es gibt eindeutige Verlierer.

Zu den Verlieren gehört zu aller erst das Medium an sich. Die Wiener hören weniger Radio. Und zwar deutlich weniger. Die durchschnittliche tägliche Radionutzung ist in der werberelevanten Zielgruppe (14-49Jahre) innerhalb von sechs Monaten von ohnehin schon schwachen 162 auf 154 Minuten abgestürzt. Es sind vor allem die Jüngeren, die sich vom Radio abwenden, bei den Hörern ab 10 Jahren ist die Radionutzung nahezu gleich geblieben.

Die Gewinner in Wien sind Ö3, KRONEHIT und Energy. Das Hitradio hat deutlich zugelegt. Der Marktanteil ist von 37%* im ersten, auf 41% im zweiten Halbjahr 2010 gestiegen. Lachende Gesichter auch bei KRONEHIT und Energy, die beiden jung positionierten Sender mit ihren CHR respektive Hot-AC Formaten, konnten sich von ihren privaten Konkurrenten in Wien deutlich absetzen. Beide haben einen Marktanteil von 10%, bei der Tagesreichweite liegt Energy mit 12,5 % vor KRONEHIT mit 11,8%.

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Von solchen Werten sind die anderen Wiener Privatradios derzeit meilenweit entfernt. Arabella muss zum Teil deutliche Verluste hinnehmen und liegt nur noch bei 4% Marktanteil und 4,4 % Tagesreichweite. Ebenfalls verloren, wenn auch deutlich weniger, hat 88.6 mit nunmehr 6 % Marktanteil, die Antenne Wien konnte hingegen von 2 auf 3 % Marktanteil leicht zulegen. Superfly schlägt sich mit 2 % weiterhin tapfer.

Im heiß umkämpften Wiener AC-Segment – zudem sowohl das mittlerweile schlagerlose Arabella, als auch 88.6 zu rechnen ist – haben die Privaten offenbar Hörer an Ö3 verloren, während die jung formatierten Privaten zulegen konnten.

Zu den Gewinnern des aktuellen Radiotest zählen auch die beiden Antenne-Sender der Styria. In der Steiermark steigerte die Antenne bei einem konstant hohen Marktanteil von 17 % ihre Tagesreichte auf 23% und der Schwesternsender in Kärnten erhöhte seinen Marktanteil von 15 auf 18 % deutlich und erreicht auch bei der Tagesreichweite mit 22,2 % einen neuen Spitzenwert.

In Oberösterreich legt das Liferadio wieder leicht zu, ebenso wie die Antennen in Salzburg und Vorarlberg. Die großen Sender in den Bundesländern können mit dem aktuellen Radiotest allesamt mehr als zufrieden sein.

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In Tirol ist das Bild traditionell etwas anders: Das Liferadio backt hier mit 7% Marktanteil etwas kleinere Brötchen. Der private Platzhirsch ist eindeutig Radio U1. Der lokale Sender konnte seinen bundeslandweiten Marktanteil von 7 auf 10 % steigern.

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Für die ORF Radiosender hat sich österreichweit wenig gerändert, FM4, Ö1 und die Regionalradios haben ihre Marktanteile gehalten, Ö3 hat einen Prozentpunkt verloren. Macht unterm Strich 69 % Marktanteil für alle ORF-Radios, genauso viel wie vor einem halben Jahr.

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Zufrieden kann auch der einzige bundesweite Privatsender, KRONEHIT, sein. Bei einem gleichbleibenden Marktanteil von 8 % stieg die Tagesreichweite um einen Prozentpunkt auf 13,1 %.

Bei den Privatsendern haben im vergangenen Halbjahr einerseits die jung positionierten Stationen und anderseits die etablierten Regionalsender in den Bundesländern reüssiert. Auch Sender wie LoungeFM oder Superfly haben mit ihren Formaten ein Nische am Markt gefunden.

Im Kampf um das, aufgrund der gesellschaftlichen und demographischen Veränderungen, ständig schrumpfende AC-Segment, scheinen hingegen jene Sender auf der Strecke zu bleiben, die abseits von ihrem austauschbaren Musikprogramm keinen für den Hörer erkennbare Mehrwert – wie etwa Lokalbezug bieten – können. Hier dürften sich die großen und etablierten Sender wie Ö3 oder die privaten Antennen auf Kosten der schlecht oder falsch positionierten Me-Too Sender mittelfristig endgültig durchzusetzen.

*Alle Angaben beziehen sich – wenn nicht anders angegeben – auf Hörer 14-49 Jahre; Mo-So

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