LoungeFM: Chancen für Berlin sind intakt

Veröffentlicht am 20. Sep. 2010 von unter Deutschland

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Florian Novak

LoungeFM Macher Florian Novak hat große Pläne. Das Entspannungsradio soll künftig auch in Berlin via UKW zu hören sein. Gemeinsam mit dem französischen NRJ Konzern hat er sich für  die  ehemalige Jazz Radio Frequenz beworben. Über die Chancen in Berlin und die weiteren Pläne für  Österreich hat RADIOSZENE  mit Florian Novak gesprochen.

RADIOSZENE: Welche Chancen rechnen Sie sich bei Ihrer Bewerbung in Berlin aus, wer sind die schärfsten Konkurrenten?

Novak: Unser Angebot an die Berliner Medienanstalt definieren wir ja nicht zum ersten Mal. Mittlerweile können wir auf unsere Reichweitenerfolge in Österreich verweisen. Damit zeigen wir auch, dass wir mit unserem einzigartigen Programm auch in kompetitiven Märkten erfolgreich sein können. Die Chancen sind intakt. Wir konzentrieren uns dabei nicht auf die Mitbewerber sondern auf unsere eigenen Stärken.

RADIOSZENE: Mit welchen Argumenten wollen sie die Landesmedienanstalt von ihrem Projekt überzeugen?

Novak: Der Berliner Radiomarkt zählt zu den vielfältigsten Radiomärkten Europas, da gehört Veränderung dazu. Mit der Entscheidung der Medienanstalt im Mai, statt Radio Paradiso nun Oldiestar zu lizensieren, hat man die Pferde gewechselt, sie haben aber noch immer eine vergleichbare Farbe, auch wenn es andere Jockeys und andere Rennställe sind. Aus unserer Sicht wurde damit aber nicht mehr Vielfalt geschaffen. Dass nun Jazz Radio ja bereits zum zweiten Mal insolvent ist, war der Anlass für die Neuausschreibung. Mit unserem Konzept entwickeln wir die Idee eines Jazz-Radio als urbaner Ruhepol auf der Frequenzskala weiter, legen aber als zeitgemäßes Lifestyle-Medium auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit mehr Wert. Die mabb hat somit die Möglichkeit, mehr Programmvielfalt zu schaffen, die auch in den kommenden 14 Jahren Bestand hat.

RADIOSZENE: Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Novak: Im Laufe des Oktobers wohl.

RADIOSZENE: Der französische  NRJ Konzern ist an der deutschen LoungeFM Tochter mit 25 Prozent  beteiligt. Wie ist es zu dieser Partnerschaft gekommen?

Novak: Mit NRJ verbindet mich ja seit der gemeinsamen Gründung von Radio Energy in Wien eine mittlerweile dreizehnjährige Zusammenarbeit, die mich durchaus sehr geprägt hat und sehr lehrreich war. Wir hatten nicht immer idente Vorstellungen von Radio aber eine funktionierende Gesprächsbasis. Das war Grundlage für vertiefende Gespräche, die zum Ziel hatten, herauszufinden, ob sich unsere Vorstellungen von einem gemeinsamen Launch eines LoungeFM in Berlin decken. Das ist der Fall. Wichtig ist: Wir können und werden unsere eigenen inhaltlichen Vorstellungen realisieren und haben einen ausreichenden Atem, die Unwägbarkeiten des Berliner Marktes auf einige Jahre durchzustehen.

RADIOSZENE: In Österreich wäre die Beteiligung eines Unternehmens, das im Sendegebiet bereits eine Radiostation betreibt bei der Zulassungsvergabe eher hinderlich, wie sieht das in Berlin  aus?

Novak: Mit 25 Prozent haben wir durch die Hereinnahme eines Minderheits-Gesellschafters eine strategische Partnerschaft geschlossen, eine Beeinflussung der Programmhoheit ist dabei ausgeschlossen. Was die Vergleichbarkeit mit Österreich betrifft, muss man präzise sein: auch in Österreich ist das gesetzlich zulässig. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eben im Rahmen eines Beauty-Contests das Kriterium der Eigentümervielfalt mit in Betracht gezogen wurde, was sich nicht immer zu Gunsten bestehender Konzerne ausgewirkt hat. Ich fand und finde das auch unverändert richtig. Ich bin der Meinung, dass im Land mit der massivsten Medienkonzentration der Welt, der Staat und damit sowohl der Gesetzgeber als auch die Verwaltung hier durchaus auch als Garant für Meinungsvielfalt eine besondere Verantwortung wahrzunehmen haben.

Berlin ist von der Ausgangslage ganz anders: Die Verschränkung zwischen Printmedien und Radiosendern ist überschaubarer. Und: in einem Markt mit insgesamt mindestens 26 verschiedenen Radiosendern hat die Politik zur Kenntnis genommen, dass eine gewisse Konsolidierung im Privatradiobereich auch die Vielfalt erhöhen kann. Das betrifft aber vor allem Marktbegleiter wie die RTL-Gruppe.

RADIOSZENE: Neben Berlin bemühen sie sich  auch um die digitale Verbreitung ihres Programms in Deutschland.  Wie ist hier der Stand der Dinge?

Novak: Wir sind übereingekommen, dass wir die aktuellen laufenden Verhandlungen nicht kommentieren. Damit ist aber auch bereits sehr viel gesagt.

RADIOSZENE: In Österreich ist NRJ gerade auf Expansionskurs und soll dem Vernehmen nach auch eine bundesweite Zulassung anstreben. Gibt es auch hier eine Zusammenarbeit zwischen LoungeFM und NRJ?

Novak: Nein, das ist von unserer Seite auch nicht erwünscht.

RADIOSZENE: LoungeFM ist seit Mitte Juli auch  in Wien zu hören. Wie ist ihre Zwischenbilanz?

Novak: Wir erleben die Reaktion der Wienerinnen und Wiener als euphorischen Willkommensgruß. Es scheint, als hätte die Stadt auf uns gewartet. Wir bemühen uns, den vielen Wünschen nach LoungeFM als eine echte Alternative am Radiomarkt gerecht zu werden.

RADIOSZENE: Mit der Wiener Frequenz dürfen sie – weil als Eventradio zugelassen –  nur bis Mitte Oktober senden. Gibt es für die Zeit danach schon Pläne für LoungeFM in Wien?

Novak: Pläne gibt es bei uns immer, gar nicht wenige. Wenn es nach uns geht, gilt freilich das Motto: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Man darf entspannt sein…

RADIOSZENE: Wie schauen die weiteren Expansionspläne von Lounge FM in Österreich aus?

Novak: Es gibt eine klare Vision: Wir wollen und werden in den kommenden Jahren in allen Landeshauptstädten Österreichs auch über UKW empfangbar sein. Das ist jetzt bereits nicht nur logischerweise über Web sondern auch im Kabel der Fall.

RADIOSZENE: Herr Novak, vielen Dank für das Gespräch.

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lounge.fm

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