Lokalfunk-Porträt: RADIO GONG 96,3

Veröffentlicht am 05. Sep. 2010 von unter Deutschland

In der Lokalfunkserie hat Hendrik Leuker dieses Mal Radio Gong 96,3 in München-Schwabing besucht und Geschäftsführer und Programmdirektor Georg Dingler (57) interviewt.

Werbung ist sein Metier

Georg Dingler RADIO GONG 96,3 (Bild: Radio Gong)

Georg Dingler RADIO GONG 96,3 (Bild: Radio Gong)

Radio, ein kommerzielles zumal, lebt zum einen von der Ansprache der Hörer mit einem attraktiven Programm und zum anderen vom Werbung und Vermarktung. Den letzteren Aspekt hat Dingler gelernt, den ersteren mit der ihm eigenen Akribie und Hingabe erarbeitet. Nach seiner Ausbildung zum Werbekaufmann in einer Werbeagentur kam Dingler 1974 zur Rundfunkwerbung des Bayerischen Rundfunks (BR). Dort blieb er bis 1985. Der Alltag beim damaligen Monopolisten, dem öffentlich-rechtlichen BR, stimmte ihn nicht zufrieden. „Gerade die Ansprache der Hörer erschien mir und anderen im BR- darunter die damaligen Bayern 3-Moderatoren Fritz Egner, Jürgen Herrmann und Thomas Gottschalk- verbesserungswürdig. Wir haben gestrotzt vor lauter Plänen.“ Umsetzen konnte sie Dingler erst als die  Mediengesellschaft der bayerischen Tageszeitungen (MBT) im Münchener Kabel ein Radio- und Fernsehprojekt veranstaltete. Dingler wurde dort im Frühjahr 1985 Marketingchef. Es galt einen neuen Radiosender zu positionieren. Hierzu musste die Werbung neu aufgestellt werden, der neue Sender vermarktet und Events  organisiert werden. Durch den Zusammenschluss von Hengstenbergs Radio 2000 und Helmut Markworts -später Gründer des Focus- Radio Gong wurde Radio Gong 2000 terrestrisch. Programmchef war damals Uli Baur, der heutige Chefredakteur des Focus. „Uns fehlten zur Programmgestaltung Vorbilder in Deutschland. Geholfen hat mir meine Begeisterung als Hörer und mein späterer Kontakt zu den fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg.“ Geblieben ist somit eine gewisse Vorbildfunktion des Prototypen der deutschsprachigen Privatsender für lokale Privatfunkprojekte, die Mitte der 80er noch ganz am Anfang standen.

Allumfassende Hitgarantie

Radio Gong 2000 ging als erster terrestrischer Privatsender in München am 24.05. 1985 auf Sendung. Im Laufe der Zeit wich das „2000“ in der Senderkennung der Frequenzbezeichnung 96,3. Die Gesellschafterstruktur von Radio Gong 96,3 setzt sich wie folgt zusammen: Studio Gong GmbH & Co. Studiobetriebs KG (29%); SV TELERADIO Produktions- und Beteiligungsgesellschaft für elektronische Medien mbH (26,4 %); Verlag „Die Abendzeitung“ GmbH § Co. KG (24,6%); AVE IV Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (10%); LIREK Beteiligungs- GmbH (5%) und Radio der Frau Programmanbietergesellschaft mbH (5%). Es liegt nahe, Radio Gong 96,3 mit der seit 1959 erscheinenden Programmzeitschrift „Gong“ in Verbindung zu  bringen. Aber: „Der Gong- Verlag, als es ihn noch gab, war einer der Gesellschafter von Radio Gong 2000. Dieser Verlag existiert seit 10 Jahren nicht mehr als eigenständiger Verlag (er gehört seit dem Jahr 2000 der WAZ- Mediengruppe in Essen, der Verf.). Der Gesellschafter Studio Gong hat mit der Programmzeitschrift „Gong“ nichts mehr zu tun.“ erklärt Dingler. Auch bestehe kein Zusammenhang mit Sendern gleichen Namens. „ Sender, die sich Radio Gong nennen, gibt es noch in Würzburg und Nürnberg sowie gong fm in Regensburg. Die Gesellschafter in München sind aber andere.“

Der Claim von Radio Gong  96,3 ist „Radio Gong 96,3-die Hitgarantie“. „Muss ich den Claim noch erklären?“ wundert sich Dingler über die Frage, was der Claim bedeute, fügt jedoch sofort hinzu: „ Ich habe Probleme mit langen Claims. Die verbreiteten Claims, die Hits mit Jahreszahlen verbinden, und betonen, dass man davon die besten Hits immer wieder spiele, gefallen mir nicht.“ betont Dingler. „Hits haben für mich eben nichts mit Jahreszahlen zu tun. Radioberater gehen oft nicht individuell auf einen Sender ein. Einerseits soll der Wortanteil nach ihrem Rat reduziert werden, andererseits schlagen sie einen langen Claim vor. Das passt nicht zusammen.“, gibt Dingler zu bedenken. „Der kurze und einprägsame Claim „die Hitgarantie“ ist bei weitem nicht auf die Musik beschränkt. Er bezieht sich auf weitere Programmelemente. Lokale Information ,Wetter etc. sind genauso umfasst .“ Lokale Information kann sofort ins Programm genommen werden. In erster Linie sendet man Weltnachrichten, aber auch lokale Nachrichten. „Wir bringen das, was die Münchener interessiert. Das, worüber München spricht. Es findet in den Nachrichten statt .Aber auch redaktionell in Beitragsform. In der Regel zwischen 5  und 20 Uhr. Wenn der FC Bayern München in der Champions- League spielt, bleiben wir natürlich auch länger am Ball.“ zeigt Dingler den hohen Stellenwert von lokalen Nachrichten bei Radio Gong 96,3 auf. Stadtratsentscheidungen zur Ausweitung der Umweltzone finden sich genauso im Programm  wieder wie der Promiauflauf beim Oktoberfest, die Schlägereien in der U- und S-Bahn wie das Ehedrama im Vorort.

Moderatorin Arlette Drexler im Studio von Radio Gong 96.3

Moderatorin Arlette Drexler im Studio von Radio Gong 96.3 (Bild: H. Leuker)

25 Jahre Radio Gong – durchaus eine Erfolgsgeschichte

Die technische Reichweite umfasst 2,2 Millionen Hörer. „Wir sind der meistgehörte Lokalsender in München.“, so Dingler. Die neuen MA- Zahlen geben ihm recht: In der werberelevanten Zielgruppe der 14-49jährigen liegt Radio Gong 96,3 bei den Münchener Lokalradios mit 56.000 Hörern in der Stunde deutlich vor Radio Energy (33.000), Radio Charivari 95,5 (33.000) und Radio Arabella (22.000) (lt. Medienanalyse- MA 2010/II- Montag bis Samstag). Eine Vorstellung von der Hörerschaft zu haben ist eine Voraussetzung für den Erfolg. „Wir müssen auf heterogene Gruppen eingehen. Man muss dabei vorsichtig sein. Die Älteren werden immer jünger in ihrem Lebensstil.“, merkt Dingler an, sich dabei nicht ausnehmend. „Dementsprechend werden die Events gestaltet. Diese sind Mosaiksteine wie Internet, Emails und Telefon, um eine Resonanz auf das gesendete Programm zu erhalten. Gewissermaßen Hilfsmittel, um ein vernünftiges Programm zu machen.“ Andererseits gilt: „Ich muss nicht jeden Tag ins P 1 (Münchener Nobeldisco; d. Verf.) gehen, um zu wissen, was los ist. Wir müssten mit der Zeit ein Gespür dafür haben, wie der Münchner tickt.“ betont Dingler.

In Tuchfühlung mit dem Hörer kommt man bei Radio Gong auf vielfältige Weise: Sei es bei der Geburtstagsfête zu 15 Jahre Radio Gong  im Olympiapark mit 200 000  Besuchern (2000); bei der Sommertour im Englischen Garten mit Konzerten bei freiem Eintritt von Sarah O´ Connor („From Sarah with love“) , Spider Murphy Gang („Schickeria“) und Right Said Fred („You´re my mate“); dem gläsernen Studio im Festzelt auf dem Oktoberfest oder den von Morgenmoderator Mike Thiel verlosten Hörerreisen zu entfernten Zielen wie Las Vegas und Dubai. Im März 2010 gaben sich zudem Ehemalige und prominente Gastmoderatoren die Klinke in die Hand für Jubiläumsshows anlässlich von 25 Jahren Radio Gong: Bully Herbig und Rick Kavanian, Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, Waldemar Hartmann und OB Christian Ude, Doris Dörrie und- last but not least- Udo Jürgens. Auch wurde in Sequenzen an den umtriebigen Sportmoderator „Moritz“- kein geringerer als Focus-Gründer Helmut Markwort- oder an das Sorgentelefon mit Patricia Riekel, der heutigen BUNTE- Chefredakteurin, erinnert. In den Anfangsjahren brachten die Moderatoren ihre Platten noch von zu Hause mit; heute sind über 11 000 Titel im Computer gespeichert. So ändern sich die Zeiten…

Mike Thiel und Karsten Wellert (Bild: Radio Gong 96,3)

Mike Thiel und Karsten Wellert (Bild: Radio Gong 96,3)

Kein Programm wie jedes andere

Die Morningshow von Radio Gong 96,3 ist ganz auf den Moderator zugeschnitten: Der schlichte Titel lautet „Mike-Thiel-Show“ (4.53 h- 8.53 h). Georg Dingler nennt den Grund für diese Personalisierung: „Der Zuhörer erwartet vom Radio Emotionen. Bilder entstehen in diesem beim Zuhören. Mittels persönlicher Ansprachen spielen wir die Stärken des Mediums aus. iPods sind nicht der Tod des Radios, wenn man Personalisierung zulässt. Wir brauchen kreative Persönlichkeiten wie unseren Morgenmoderator Mike Thiel, damit das Radio überlebt.“,  ist sich Dingler sicher. Aber bei Radio Gong 96,3 macht man nicht nur Sendungen, die vom Hörer erwartet werden. „Wir machen ein Programm mit Ecken und Kanten. Wie zum Beispiel bei unserer „World Chart Show“ ( Samstag; 19.53 Uhr- 21.52 Uhr) . Früher liefen bei uns die Original American Top 40. Diese Show dient gewissermaßen als Fortsetzung. Zunächst erfolgte kaum Resonanz auf die von Laura Scott moderierte Sendung. Inzwischen hat sich eine nennenswerte Stammhörerschaft gebildet. Die Sendung befindet sich dennoch in der Testphase.“, hält Dingler die weitere Entwicklung der Sendung offen. Grundsätzlich gilt: „Wir arbeiten jedes Jahr am Programm. Bewusste Programmerneuerungen finden aber nicht statt, schon gar kein Relaunch.“, hält Dingler Kontinuität für wichtig. Die Programmuhr mit x.53 Uhr statt um Punkt beginnen zu lassen hat zur Folge, „dass wir Musik spielen , wenn andere – später als wir – Nachrichten senden“ (Dingler). „Bereits vor 18 Jahren sind wir dazu übergegangen, die Programmuhr neu aufzustellen. Die Idee hierzu stammt vom Mitbegründer von RSH Kiel, Hermann Stümpert, einer bereits verstorbenen Radiolegende. Wir halten an der Tradition angesichts gewachsener Konkurrenzsituation fest.“, so Dingler.

Überhaupt die Konkurrenz: „Jeder, der im Sendegebiet ein Radioprogramm betreibt, ist ein Konkurrent. Der ärgste Konkurrent ist Bayern 3, mit dem sich die meisten musikalischen Überschneidungen- wir spielen ein EHR (European Hitradio, der Verf.)-Format- ergeben. Mit Antenne Bayern konkurrieren wir vor allem auf dem Feld der Aktionen und Gewinnspiele. Persönlich glaube ich, dass der Ansatz, über Gewinnspiele Hörerströme zu lenken, ein wenig ausgereizt ist.“ beobachtet Dingler auch den Radiomarkt um sich herum. „Was den Münchener Markt angeht, bin ich entspannt. Radio Gong 96,3 hatte in der letzten MA (hier ist die MA 2010 /I gemeint; der Verf.) so viele Hörer wie Energy und Charivari 95,5 zusammen.“ „Natürlich höre ich auch Konkurrenzsender. Um zu entspannen, lege ich mir aber eine CD auf. Beim Radiohören muss ich eigentlich ständig arbeiten.“  teilt Dingler das Schicksal vieler Medienprofis.

Produktionsstudio von Radio Gong 96,3

Produktionsstudio von Radio Gong 96,3 (Bild: H. Leuker)

Mein persönliches Fazit

Die Phraseologie an der Wand und der auf 1:30 gekürzte Audiobeitrag ist im deutschsprachigen Privatfunk auf dem Rückzug. Es wird dem Moderator mehr Personality zugestanden. Am 08. März 2010, dem Tag meines Besuches bei Radio Gong 96,3 , hörte ich zuvor in der Mike-Thiel-Show ausführliche Analysen und O-Töne von der Oscar- Verleihung in Los Angeles. Das alles ist möglich auf einem Privatsender, der oft als Dudelfunk abgetan wird! Möglich macht dieses ein Geschäftsführer, der dem Medium Radio Gelegenheit gibt, seine Stärken auszuspielen. Er hat auf mich einen bleibenden Eindruck gemacht in dem Sinne, wie er seinen Sender stetig weiterentwickelt.

Dieser Bericht wurde am 08. März 2010 von Hendrik Leuker recherchiert und erscheint demnächst in der Lokalfunkserie des RADIO KURIER mit weltweit hören.

Kontakt

Radio Gong 96,3
Franz-Joseph-Str.14
80801 München
Tel: 089 /  381 66-0
Fax: 089 / 381 66- 288

Internet: www.radiogong.de (Livestream)
Email: info@radiogong.de

Frequenz:
München 96,3 MHz ( 0,3 KW)
Empfangsberichte werden per Brief bestätigt.

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