Der deutsche Radiomarkt: Kleinteilig und unterschätzt

Veröffentlicht am 30. Okt. 2009 von unter Deutschland

Medientage-MüncheIst der deutsche Hörfunkmarkt aufgrund seiner regionalen Struktur überhaupt in der Lage, die Aufgaben, die sich den Anbietern im Rahmen der Digitalisierung stellen, zu finanzieren? Darüber diskutierten die Teilnehmer des gemeinsamen Panels der MEDIENTAGE MÜNCHEN und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Rund 363 terrestrische Radioangebote, davon allein 220 private Programme gebe es in Deutschland, führte Helmut G. Bauer, Rechtsanwalt und Berater, aus. Dass die deutsche Konzentrationsregelungen nicht spezifisch auf den Hörfunkmarkt eingingen und Hörfunk länderspezifisch unterschiedlich organisiert sei, mache ihm Sorgen, sagte Bauer. Es gebe keine bundesweiten Radiopersönlichkeiten. „Günther Jauch und Thomas Gottschalk sind aus dem Fernsehen bekannt, hinten dran heißt es, die war’n ja auch mal im Radio …“

Die Digitalisierung werde es möglich machen, die Wertschöpfung im Radio zu belegen, erwartet Erwin Linnenbach, Sprecher der Geschäftsführung von Regiocast. TV und Print würden von den Werbern überbewertet. Er hoffe auf eine Konsolidierung des deutschen Radiomarkts auf wenige Mutterunternehmen ähnlich wie im Brauereisektor. „Nirgendwo wie in Deutschland wird so viel Radio gehört“, so Linnebach. Die Kleinteiligkeit des Markts nivelliere jedoch die Gewinne.

Auf die Zukunft setzt auch Christophe Montague, Geschäftsführer Radio der NRJ Deutschland: Er wünschte sich, „dass es in Zukunft weniger Leute in Deutschland gibt, die kleinteilig denken“. Zukunftsorientierte Unternehmen seien global organisiert; regionales Denken könnte mit deren Innovationskraft nicht konkurrieren.

„Absurd, was in Landesgesetzgebungsverfahren heute passiert“, sagte Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. Die Medienpolitik befände sich gedanklich immer noch in den Neunziger Jahren, Webradios würden gar nicht diskutiert.

Dr. Udo Becker, Geschäftsführer des Verbandes der Betriebsgesellschaften in NRW, sieht überhaupt keine Veranlassung, den Hörfunkmarkt strukturell grundlegend zu verändern. „Wer will denn regionale Inhalte so schleifen, um drei bis vier bundesweite Ketten zu schaffen?“ Hörfunk müsse vor allem neue Inhalte zu entwickeln und junge Leute an das Radio binden.

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Medientage München

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