Jedes in der EU verkaufte Radio soll digitalen Empfang gewährleisten

Die European Broadcast Union (EBU), die European Digital Radio Alliance (EDRA) und der Digitalradio Weltverband WorldDAB haben eine Erklärung zur Interoperabilität des Radios abgegeben. Die drei Parteien setzen sich dafür ein, dass alle künftig in der EU verkauften Radiomodelle über eine Schnittstelle zum digitalen Radioempfang, z.B. für DAB+, verfügen sollen. Nur so könne Radio zukunftsfähig und die Nutzung in der gesamten EU möglich bleiben. Eine entsprechende Richtlinie soll in einem einheitlichen Codex für Rundfunk in der EU (European Electronic Communications Code) verankert werden.

Radio Horeb ist auch über DAB+ zu empfangen (© level 3 5 Fotografie)

Der genaue Wortlaut der gemeinsame Erklärung von EBU, EDRA und WorldDAB:

Bei den laufenden Trilog-Sitzungen über die vorgeschlagene Richtlinie zur Einführung eines einheitlichen Codex für Rundfunk in der EU (European Electronic Communications Code), fordern wir die unterzeichnenden Organisationen auf, spezifische Bestimmungen zur Förderung der Interoperabilität von Radiogeräten im endgültigen Wortlaut des EU-Kodex festzuschreiben.

Die Einführung solcher Bestimmungen auf EU-Ebene ist ein wichtiger Schritt, um den Übergang des Rundfunks in die digitale Zukunft zu erleichtern, was den Zuhörern, Sendern und Geräteherstellern Vorteile bringt. Diese Bestimmungen würden dazu beitragen, die Einführung von Digitalradio in der EU zu beschleunigen – und dadurch Innovation und Wettbewerb fördern, Größenvorteile schaffen und die Interoperabilität und grenzüberschreitende Portabilität von Geräten gewährleisten.

Artikel 105 und Annex X des vorgeschlagenen Kodex enthalten Bestimmungen, die die Förderung interoperabler digitaler Fernsehgeräte in Europa erfolgreich unterstützt haben. Wir plädieren nachdrücklich für die Schaffung einer ähnlichen Erfolgsgeschichte für interoperablen Radioempfang in ganz Europa.

Radio wird von Hörerinnen und Hörern überall in Europa genutzt. Im Schnitt erreicht der Hörfunk pro Woche 87 Prozent aller Europäer. Dieses Potential muss im digitalen Zeitalter bewahrt werden.

Radio ist ein wichtiges Medium, über das die Bürger auf ein vielfältiges Angebot an Informationen, Nachrichten und Unterhaltung zugreifen können – oft mit regionaler und lokaler Ausrichtung. In einer Zeit, in der der Zugang zu den Medien von einer wachsenden Zahl von meist global agierenden Akteuren (in erster Linie Technologie- Giganten) geprägt wird, ist Radio das vertrauenswürdigste Medium in Europa.

Warum ist es wichtig, die Digitalisierung von Radiogeräten zu unterstützen?

  1. Um Vorteile für EU-Bürger zu maximieren.
    Die Digitalisierung des Rundfunks ist der Schlüssel zur Verbesserung der Klangqualität und zur Erhöhung der Zahl von Programmen und Formaten – einschließlich einer Reihe von neuen Datendiensten-, um besser auf die Bedürfnisse der Zuhörer heute und in der Zukunft eingehen zu können. Die Digitalisierung bietet auch die beste geographische Abdeckung des Radios, sowohl national als auch grenzübergreifend.
  2. Als Beitrag zum digitalen Binnenmarkt der EU und zur Förderung des Wirtschaftswachstums.
    Die Förderung des digitalen Radios und die Schaffung eines planbaren Regulierungsrahmens auf EU-Ebene wird dem Medium helfen sich zu modernisieren und sein Wachstumspotential auszuschöpfen. Dies wird die Schaffung neuer hörfunk- und plattformübergreifender Dienste erleichtern und den Binnenmarkt für Übertragungsinfrastrukturen durch Schaffung eines europaweiten Marktes für digitale Radioempfänger und -dienste fördern.
  3. Um einen effektiven und effizienten Einsatz von digitaler Technologie zu erleichtern.
    Terrestrischer Rundfunk, ob analog oder digital, bietet eine sichere, zuverlässige, beliebte und kostenfrei empfangbare Plattform. Radio bleibt bei Naturkatastrophen weiter verfügbar, es bietet verlässliche Notfall-Warnungen wo nötig und bietet zuverlässige Verkehrsinformationen für alle Europäer. Die zunehmende Verbreitung von digital-terrestrischen Radio in Europa (wie DAB, DAB+ Standards) wird diese Vorteile maximieren.Derzeit sind nationale DAB oder DAB+ Programmangebote in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Malta, Italien, Dänemark und Slowenien verfügbar. Weitere Länder mit regionalen DAB+ Ausstrahlungen sind: Frankreich, Polen, Irland, Spanien, Schweden und die Tschechische Republik. Aktuell finden in Österreich, der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien Testbetriebe statt. Darüber hinaus ist in den Ländern Norwegen und Schweiz DAB+ bereits so weit verbreitet, dass in Norwegen die UKW-Netze 2017 abgeschaltet werden konnten und die Schweiz diesen Schritt zwischen 2020 und 2024 plant.Neue Bestimmungen für interoperable Radioempfänger gewährleisten eine grenzüberschreitende Funktionalität (besonders wichtig für Autofahrer) und fördern die Digitalisierung des Rundfunks.

    Als Schlüsselkomponente zur Förderung der digitalen Gesellschaft in Europa kann eine Internet-Konnektivität auch die terrestrischen Kapazitäten erweitern. Da die Internetübertragung jedoch weniger effizient und weniger zuverlässig ist als die terrestrische Verbreitung (z. B. in Notsituationen), ist IP Radio eher eine Ergänzung des terrestrischen Rundfunks denn eine brauchbare Alternative. In einigen Ländern, in denen derzeit keine Pläne für die Einführung von digital- terrestrischem Radio existieren, könnte an ein Internet-gestütztes Radio höhere Ansprüche gestellt werden.

  4. Um knappe Frequenzressourcen effizient zu nutzen.Die Förderung von Digitalradio wird zu einer effizienteren Nutzung von Funkfrequenzen führen. Während eine UKW-Frequenz nur ein einziges Programm unterstützt, kann eine DAB + Frequenz bis zu 20 verschiedene Programme gleichzeitig übertragen.Gemeinsam fordern wir Sie auf, Bestimmungen im EU-Kodex für elektronische Kommunikation zu entwickeln und zu verabschieden, um die Zukunft des Radios in einer digitalen Umgebung sicherzustellen.

Wir begrüßen die Position des Europäischen Parlaments insofern sie vorsieht, dass in jedem EU-Markt verkaufte Radioempfänger analoge und digitale Empfangsmöglichkeiten haben sollten.

Um die große Reichweite und die Vorteile des Rundfunks in der EU auch im digitalen Zeitalter zu maximieren, sollten diese grundlegenden Bestimmungen zumindest für alle Empfangsgeräte im Auto und für die meisten Verbraucherradios gelten.

Unterzeichner der Erklärung:

–  Noel Curran, Director General EBU
–  Travis Baxter, Chair EDRA
–  Patrick Hannon, President WorldDAB

Das Statement lässt sich hier im Original laden