York Strempel: “Nicht der Name – der Song entscheidet”

Veröffentlicht am 02. Okt. 2017 von unter Musik

In einer weiteren Folge über die „heimlichen Helden“ im deutschen Radio stellen wir heute mit York Strempel, den Programmdirektor des Privatsenders 98.8 KISS FM, vor. 

Die bereits vielfach preisgekrönte Berliner Station bezeichnet sich selbst als „Der Beat von Berlin“ und spielt in erster Linie Dance, Rhythm Pop, HipHop und RnB. Bereits 1995 wurde Kiss FM in der Kategorie „Bester Radiosender“ mit dem Viva Comet ausgezeichnet.

RADIOSZENE sprach mit York Strempel über seine Arbeit und die Veränderungen im Hörfunk- und Musikmarkt.


RADIOSZENE: Wie sind Sie beim Radio gelandet?

York Strempel (Bild: ©98.8 KISS FM)

York Strempel (Bild: ©98.8 KISS FM)

York Strempel: 98.8 KISS FM das ist Leidenschaft! Praktikum in der Redaktion, Volo in der Produktion, danach kurze Radiopause während meines Studiums des Sportmanagements und meines Jobs im Marketing bei Adidas. Zurück zu KISS FM als Morningshow-Producer und Side kick. Vier Jahre bei den Öffentlich-Rechtlichen und jetzt wieder Zuhause bei 98.8 KISS FM. Als PD zurückzukommen – da ist schon ein Traum wahr geworden!

RADIOSZENE: Welche Tätigkeitsfelder umfasst ihr Aufgabengebiet?

York Strempel: Meine Kernaufgabe ist die Planung und strategische Aufstellung des Programms. Die Weiterentwicklung des Formats im digitalen Zeitalter, die Ausrichtung der Inhalte, die Vernetzung und Intensivierung unseres crossmedialen Auftritts. Zudem ist mir die kontinuierliche Weiterentwicklung meines Teams von Redakteuren, Moderatoren, der Musik-, Social Media- und Interactive-Kollegen sehr wichtig. Teamwork-is-key bei KISS FM! Klar entscheide ich, wenn es Unstimmigkeiten gibt, aber Ansagen machen und Diktieren wie‘s läuft, ist nicht mein Stil – Abholen, Mitnehmen und den Leuten Freiheiten geben schon. So entwickelt sich ein Team von kreativen Mit-Machern, die auch selbst Entscheidungen treffen können, weil sie wissen wo die Reise hingeht.

RADIOSZENE: Welche Bedeutung haben Musik und Musikspezialsendungen bei 98.8 KISS FM?

York Strempel: KISS FM ist ein Musik inspiriertes Programm mit einem URBAN CHR Format, bei dem neben Morning Show und Personalities hauptsächlich die Musik über den Erfolg des Programms beim Hörer entscheidet.

Unsere erfolgreichste Spezialsendung sind die German Beats (immer sonntags von 19-21 Uhr) mit Gizem. Dort werden hochkarätige Deutschrapper vorgestellt und interviewt. Außerdem gibt es die German Beats auf der App im Channel. Die Musik ist in Berlin so populär, dass das digitale Programm jetzt zu einem vollwertigen digitalen Radioprogramm weiterentwickelt wird.

Ben the Beat (Bild: ©98.8 KISS FM)

Ben the Beat (Bild: ©98.8 KISS FM)

RADIOSZENE: Wie hat sich der Stellenwert der Musik im Radio im Laufe der Zeit verändert?  

York Strempel: Die brandneue Musik ist für 98.8 KISS FM der Key-Indikator des Erfolges im Berliner Markt. Das war bei uns aber schon immer so. Den richtigen Musikmatch zu finden  ist mittlerweile auf Grund der diversen Quellen, über die neue Musik auf den Markt kommt, nochmals härter geworden. Wir müssen noch schneller, noch agiler und flexibler auswählen und spielen.

RADIOSZENE: In welcher Form arbeiten Sie mit der Musikwirtschaft zusammen?

York Strempel: Wir arbeiten intensiv und gut mit der Musikindustrie zusammen. Sie produzieren und bieten an – wir picken und spielen. Und darüber hinaus sind wir im ständigen Austausch, bewerten und entwickeln gemeinsam Projekte und bauen die Stars von Morgen auf.

KISS FM KISS CUP 2017, DieLochis (Bild: © jet-foto)

KISS FM KISS CUP 2017, DieLochis (Bild: © jet-foto)

RADIOSZENE: Wie sehr haben sich Radio- und Musiklandschaft über die Jahre verändert?

York Strempel: Der Markt ist viel schneller geworden, die Trends kurzlebiger, Single-Releases dichter. Durch den digitalen Wandel spucken viel mehr Plattformen Talente und Titel aus. Das bedeutet für uns einen enorm gewachsenen Musikmarkt im Blick zu haben und noch schneller zu reagieren um Trends aufzuspüren und zu pushen. Wer gut ist, ist vorne. Ob das die großen Künstler oder kleine Newcomer sind. Wer liefert wird gespielt. Nicht der Name – der Song entscheidet. So war beispielsweise Felix Jaehn schon beim KISS CUP auf der Bühne, bevor er komplett durchgestartet ist.

 

„Bei der MA Radio 2017 II haben viele Sender Hörer eingebüßt – wir nicht. Wir haben sogar Hörer dazugewonnen.“ (York Strempel)

 

RADIOSZENE: Bei der gerade veröffentlichten MA 2017 II mussten gerade einige junge Formate Hörerverluste hinnehmen. Lag es an der erneut veränderten Methodik  oder gehen dem Radio die jungen Hörer von der Fahne?

York Strempel: Junge Formate haben es bei der aktuellen Konkurrenzsituation eindeutig am Schwersten. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass man die Zielgruppe mit der richtigen Auswahl an Musik, Inhalten, Personalities, aufsehenerregenden Events und dem passenden Marketing abholen und erreichen kann. Bei der MA Radio 2017 II haben viele Sender Hörer eingebüßt – wir nicht. Wir haben sogar Hörer dazugewonnen. Das freut mich besonders, da wir natürlich bei der enormen Internet- und Social Media-Nutzung der jungen Hörer auch bei Inhalten konkurrieren. Allerdings nutzen wir unsere Kanäle auch massiv zur Hörerbindung und Hörerfindung und stärken somit Marke und Programm.

KISS FM KISS CUP 2017 (Bild: © jet-foto)

KISS FM KISS CUP 2017 (Bild: © jet-foto)

RADIOSZENE: Ein zentraler Punkt bei KISS FM sind Veranstaltungen – mit dem zentralen Event „KISS CUP“. Wie wichtig sind diese Events für Programm und Vermarktung?

York Strempel: Der KISS CUP ist unser jährliches Event-Highlight, das wir in diesem Jahr zum zehnten Mal in Folge veranstaltet haben. 8000 eingeladene Hörer, 30 kickende Promis,  4 bis 5 Musik Acts auf der Bühne – in diesem Jahr z.B. Amanda, Starley, Dimitri Vegas, DieLochis und Bushido – und eine irre Stimmung. Das macht den Sender auf eine ganz besondere Art erlebbar. Hier treffen die Hörer ihre Moderatoren, ihre Stars und feiern mit der KISS FM-Community eine gigantische Party.

Laura Larsson (Bild: © 98.8 KISS FM)

Laura Larsson (Bild: © 98.8 KISS FM)

RADIOSZENE: Zuletzt wurde wieder der Aufbau von echten Radio Personalities am Mikrofon gefordert. Gibt es in Deutschland tatsächlich zu wenige Moderatoren mit Charisma und zu viele Formatbeschränkungen im Radio? 

York Strempel: Wir hatten noch nie keine Personalities! Die KISS FM-Moderatoren sind und waren immer alle Personalities. Für mich als Programmchef ist es das oberste Ziel junge Talente zu erkennen, zu fördern und zu stärken, On Air- Persönlichkeiten auf- und auszubauen. Dass das Früchte trägt, sieht man z.B. an Laura Larsson, die in diesem Jahr als „Beste Newcomerin“ für den Deutschen Radiopreis 2017 nominiert wurde und erst kürzlich einen Viralen Hit mit KISS FM-Content auf allen Social Media Plattformen landete.

RADIOSZENE: Wie gehen Sie mit dem Thema Streaming-Dienste um? In Radiokreisen wird durchaus kontrovers über dieses Thema diskutiert…

York Strempel: Wir sehen die Streaming-Dienste eher als Ergänzungsangebot zum Radio, denn wir wissen, dass neue Songs, die bei KISS FM laufen, unmittelbar nach den Plays verstärkt bei Streaming-Diensten abgerufen werden.

RADIOSZENE: Fast alle Sender – so auch 98.8 KISS FM – verfügen heute über separate Musik-Spartenstreams im Internet. Welche Bedeutung haben diese Angebote und wie häufig werden diese genutzt?

York Strempel: Side-Channels sind schon lange ein weiteres Tool um unsere Musik zum Hörer und den Hörer zu KISS FM zu bringen. Diese nutzen wir generell dafür Special Interest abzudecken und neue Impulse zu setzen, aber auch um besondere Aktionen zu highlighten und zu promoten. So moderiert unser Morgenmoderator Big Moe den R&B Channel und mit Bushido haben wir das längste Radiointerview der Welt im Stream geführt. Das läuft sehr gut.

KISS FM Plakat Big Moe 2017

KISS FM Plakat Big Moe 2017

RADIOSZENE: Welche besonderen Herausforderungen muss sich KISS FM beziehungsweise die Branche allgemein in der Zukunft ganz besonders stellen?

York Strempel: In Zukunft wird es diverse Verbreitungswege geben. Digitale und terrestrische. Um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, ist es notwendig beide Kanäle zu bespielen. Wir befinden uns in der Transformation, das Lineare zu digitalisieren und unsere analoge Stärke digital neu aufzustellen – uns im digitalen Bereich neue Wege zu erschließen und digital zu denken.

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98.8 KISS FM

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