The End of Radio… as we know it?

Veröffentlicht am 09. Feb. 2006 von unter Schalt-Report

Schaltreport_250Wenn einer einen iPod kauft, hört er weniger Radio.

Sagen vor allem die, die damit eine kommerzielle oder ideelle Hoffnung verbinden, also Steve Jobs, Apple-Händler und Wired-Journalisten. Und jetzt wird in schöner Regelmäßigkeit geschrieben und gemarktforscht, wann das Ende für das Radio denn nun kommt.

Im Rauschen der Studien und Artikel scheint sich jedoch zunehmend eine andere Wahrheit herauszustellen:

Wenn einer einen iPod kauft, hört er anders Radio.

Die zunehmende Flut an iPod- oder iPod-Äquivalentbesitzern zieht dem Radio kaum Nutzer ab, verändert aber die Hörgewohnheiten in lange nicht mehr dagewesenen Maße:

iPod-User haben ein anderes Empfinden für Abwechslung

Schaut man sich die Playlist eines durchschnittlichen iPods näher an, so wird man schnell zum Schluss kommen, dass Rammstein, O-Zone und Beethoven in the mix ihre Spuren hinterlasen müssen. Wer sich über längere Zeit diesem Mix aussetzt, wird Schwierigkeiten haben, zwischen Pop, PopRock und rhythmischen Pop zu unterscheiden.

Die Renaissance der vergessenen Songs

Wohl kaum ein anderes Medium (nicht einmal die alten Bravo Hits-CDs im Keller der Eltern) steckt so voller – eigentlich längst vergessener/verdrängter – Erinnerungsstücke wie der durchschnittliche iPod. Vorausgesetzt, die Files sind legal erworben, müssten Künstler wie DJ Sammy, Dr. Alban, Limahl oder der eine oder andere NDW-Artist mittlerweile ganz gut von den Online-Tantiemen leben können.

Verlässlichkeit auf Knopfdruck

Im Gegensatz zu vielen traditionellen Radios unserer Breiten bieten die mobilen Datenbanken verlässlich die gewünschten Stimmungen auf Knopfdruck. Wer Liebessongs möchte, findet Liebessongs, wer Klassik möchte, findet Klassik etc.

Das Wort schlägt zurück

Zumindest bei denen, die schon in den Podcast-Zug eingestiegen sind, liegen nicht Musikangebote an oberster Stelle (allein wegen der Rechtefrage), sondern wortreiche Podcasts aus allen erdenklichen Themenbereichen. Wer sich für Podcasts entscheidet, entscheidet sich in den meisten Fällen für informative oder unterhaltsame Wortangebote. Dabei gewinnt nicht nur die Professionalität, sondern vor allem die Mikro-Zielgruppe: Wer sich über die neuesten Trends in der Frisurenszenen informieren möchte, ist mit dem Podcast der deutschen Friseure gut beraten, andere fühlen sich möglicherweise besser beim Podcast „Auf der Hanfplantage“ aufgehoben.

Für die Programmierung einer – traditionellen – Radiostation bieten diese Trends ganz neue Möglichkeiten und Chancen; wenn sich Radio auf die neuen Hörgewohnheiten einstellt, wird es der neuen Konkurrenz trotzen und auch in Zukunft stark sein – denn den größten Vorteil hat das klassische Radio nach wie vor: im Vergleich zu iPod und Downloadportalen ist es unschlagbar günstig.


Christian Schalt

(Programmdirektor KISS FM Berlin)

Kontakt: http://www.xing.com/hp/Christian_Schalt

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